Der Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von allem,
was Gott ihm zusagt!
Matthäus 4,4
Heute sind wir mit unserer kleinen mobilen Klinik in einem abgeschiedenen Dorf des Tabu-Stammes im Einsatz. Wenn man das Dorf Oropai betritt, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. In diesem Teil von Papua-Neuguinea gibt es keinen Strom, kein fließendes Wasser, keinen Supermarkt. Die Häuser sind auf Stelzen gebaut. Diese Konstruktion bringt ein wenig Luft in der tropischen Hitze und bietet Schutz vor Überschwemmungen in der Regenzeit. Ich arbeite hier als Krankenschwester. Nachdem ich mich um meinen letzten Patienten gekümmert habe, besuche ich eine Familie in ihrer kleinen Hütte. Die Hütte ist mit wenigen
Hilfsmitteln aus Bambusstäben und Stroh zusammengebaut. Es gibt nur einen Raum, in dem die Eltern, drei Kinder und die Großeltern auf Strohmatten schlafen. Möbel kennt man hier nicht. In einer kleinen Kiste am Ende des Raumes sind
die wenigen Habseligkeiten der Familie untergebracht. Die Küche befindet sich auf der Veranda. Der Herd besteht aus Feuerholz in einem Sandkasten. Ich habe mich auf dem Bretterboden der Veranda niedergelassen. Mutter Jayla ist gerade dabei, das Abendessen zuzubereiten. Es gibt Sago – eine klebrige Masse ohne Eigengeschmack – mit Pfannkuchen. Jaylas drei Kinder klammern sich an sie. Ich bin ihnen vermutlich nicht ganz geheuer. Der Vater hat sich zu mir auf den Fußboden gesetzt. Wir verständigen uns in einer Mischung aus meinem kümmerlichen Pidgin-Englisch und Zeichensprache. Schließlich gibt mir der Mann zu verstehen, dass er mir etwas ganz Besonderes zeigen möchte. Ein Leuchten ist in seinen Augen zu sehen. Er geht in die Hütte und holt etwas Viereckiges aus seiner Kiste heraus. Stolz präsentiert er mir seinen wertvollsten Besitz. Es ist seine Bibel – genauer gesagt, das Neue Testament in seiner Sprache, Tabo. Ein Missionar
hat viele Jahre lang unter diesem Stamm gelebt und das Neue Testament in die Sprache des Stammes übersetzt. Der Mann zeigt mir freudestrahlend die Bibel und gibt mir zu verstehen, dass dieses Buch sein Leben vollkommen verändert und dass nun „Häuptling Gott“ von seinem Leben Besitz ergriffen hat. Er erzählt mir, dass er jeden Abend seiner Familie aus dem Buch vom „Großen Häuptling“ vorliest. Die Freude und das Leuchten auf seinem Gesicht sprechen eine Sprache für sich.
Mich macht diese kleine Begebenheit nachdenklich. Wie wichtig ist mir meine Bibel in meinem Leben und meinem Alltag? Wie wertvoll ist dieser Besitz für mich? Gebe ich ihm den ersten Platz in meinem Leben?








































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