Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Kritik zurückgewiesen, seine Regierung verfolge Christinnen und Christen. Religiöse Gruppen in der Ukraine seien frei, sagte er in einem Interview. Der US-Kommentator Tucker Carlson habe das Land wahrscheinlich nie besucht und wisse deshalb nicht, was dort geschehe, so der Präsident.
Selenskyj widerspricht Tucker Carlson
Selenskyj äußerte sich in einem Interview mit US-Journalist Tony Perkins in der Sendung „This Week on Capitol Hill", wie Christian Post berichtet. Auf die Frage, ob die Ukraine Christinnen und Christen am Ausleben ihrer Religion hindere, sagte Selenskyj: „Wir sind sehr frei“. Die Ukraine habe den größten Rat religiöser Institutionen in Europa, dessen Mitglieder sich jeden Monat im Präsidialamt träfen.
Perkins berichtete, er habe im August den Rat und Selenskyj besucht, am Unabhängigkeitstag für den Präsidenten gebetet und dabei religiöse Freiheit erlebt. Selenskyj bekräftigte, Tausende Menschen engagierten sich in dieser Arbeit und respektierten einander. Christen, Juden und Muslime säßen im selben Raum.
Tucker Carlson, ein früherer Moderator von Fox News, hatte in den vergangenen Jahren mehrfach behauptet, die Ukraine verfolge christliche Gemeinden, insbesondere die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche. Selenskyj sagte, Carlson „weiß nicht, was in der Ukraine vor sich geht“. Er lud ihn ein, sich selbst anzusehen, was Russland zerstört habe und wie die Ukrainer mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Nationalitäten umgingen.
Einfluss der Russisch-Orthodoxen Kirche kappen
Selenskyjs Kritiker verweisen auf ein Gesetz, das das ukrainische Parlament 2024 verabschiedet hat. Es schafft einen rechtlichen Weg zur Schließung von Religionsgemeinschaften, die mit der Russisch-Orthodoxen Kirche verbunden sind. Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche hat nach eigenen Angaben ihre administrativen Beziehungen zum Moskauer Patriarchat gekappt. US-Vizepräsident JD Vance sprach von einem „Angriff auf traditionelle christliche Gemeinden“.
Selenskyj argumentiert dagegen, Russland führe einen Krieg gegen das Christentum. Er verweist auf zerstörte Kirchen und getötete oder verschleppte Geistliche. Maßnahmen gegen Geistliche richteten sich nach seinen Worten nur gegen Priester, die mit Russland kooperierten.
Russland: Priester müssen für Sieg im Krieg beten
Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hatte im Sommer Geistliche kritisiert, die ein von ihm eingeführtes Sieges-Gebet ablehnen. Das sogenannte Gebet über die heilige Rus wird seit 2022 in allen Gottesdiensten der russisch-orthodoxen Kirche in Russland gesprochen. Priester, die das Gebet verweigerten oder veränderten, wurden teilweise bestraft oder aus dem Amt entfernt. Kyrill gilt als enger Verbündeter von Präsident Wladimir Putin und unterstützt dessen Politik gegenüber der Ukraine seit Beginn des Krieges öffentlich.
2025 war der Prediger Eduard Charov angeklagt worden, der sich kritisch über den Krieg geäußert hatte. Er hatte unter anderem in einer Mitteilung an Kirchenmitglieder geschrieben: „Wäre Jesus Christus in die Ukraine gegangen, um zu töten?“ Nikolay Romanyuk, Pastor einer Pfingstkirche, wurde angezeigt, weil er in einer Predigt sagte: „Christen sollten auf der Grundlage der Heiligen Schrift nicht in die Ukraine gehen, um zu kämpfen“.






































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