Treuhänder Daniel Schnider will seine Fähigkeiten bestmöglich einsetzen, Wertschöpfung ermöglichen und Menschen fair behandeln. Der Glaube hilft ihm, Entscheidungen zu reflektieren, in schwierigen Situationen innezuhalten und auch dann seiner Überzeugung treu zu bleiben, wenn diese nicht der Mehrheitsmeinung entspricht.
Im Interview mit Livenet-Redaktor Daniel Gerber spricht er über Glauben, Scheitern, Verantwortung und darüber, was Erfolg wirklich bedeutet.
Daniel Schnider, die Bibel spricht von guter Verwalterschaft, zum Beispiel mit dem Gleichnis von den Talenten. Stehst du als Treuhänder in dieser Tradition?
Daniel Schnider: Ja, jeder soll nach seinen Fähigkeiten seinen Beitrag in der Wirtschaft leisten. Ich setze mich oft mit diesen Fragen auseinander. Es geht darum, das Anvertraute bestmöglich zu verwalten anstelle der Haltung, möglichst eine ruhige Kugel schieben und ein hohes Honorar zu verrechnen. Sondern es muss eine Wertschöpfung entstehen. Es ist die Fortsetzung der Bibel. Das ist ein sehr schönes Beispiel.
Und noch ein praktisches Beispiel: Es gibt Thesen, die aussagen, dass Zinsen unethisch sind. Da wird bei mir diese Bibelstelle präsent. In einem vernünftigen Kontext, nicht wucherisch, müssen Zinsen nicht schlecht sein, sondern können durchaus vernünftig sein. Wichtig erscheint mir der respektvolle Umgang mit den betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren: Boden, Arbeit und Kapital. Alle drei Faktoren sind in der Regel für Unternehmen knapp. Fällt einem Unternehmen einer dieser Faktoren umsonst zu, kann Trägheit oder Ausnutzung nah sein. Zinsfreies Kapital entzieht die Motivation, Schulden zurückzubezahlen.
Ein weiteres Argument ist die Inflation. Sie kann auch Geldentwertung genannt werden und ist schleichend immer da. Der gleiche Franken, den ich in meiner Jugendzeit in das Sparsäuli gelegt habe, hatte damals eine deutlich höhere reale Kaufkraft als jetzt im Jahr 2026. Dies wird sich auch in der Zukunft kaum ändern. Zinsen können somit eine Kompensation für die Geldentwertung darstellen. Diese Bibelstelle gefällt mir sehr gut, davon können auch Antworten abgeleitet werden für die Finanzwirtschaft.
Wie hat dein persönlicher Glaube dein Arbeitsleben geprägt?
Der Glaube prägt mein Arbeitsleben wesentlich. Er hilft mir, ethisch durch den Alltag zu gehen und zu überlegen, ob ich der Person, mit der ich arbeite, am nächsten Tag wieder in die Augen sehen kann. So, wie ich behandelt werden möchte, versuche ich auch, die andere Person zu behandeln. Wenn dies aus meiner Perspektive nicht funktioniert, versuche ich, das als Rückmeldung einzubringen. Umgekehrt schätze ich Persönlichkeiten, die mir als Person ehrliche direkte Rückmeldungen geben, auch wenn sie unangenehm sind. Der Alltag und die eigene Schwäche können die Funktion des persönlichen Spiegels oft ausschalten. In meiner Karriere bin ich als Persönlichkeit am meisten aufgrund von persönlichen Rückmeldungen gewachsen und nicht von nettem Schulterklopfen. Natürlich sind Komplimente jederzeit willkommen und bauen die Motivation auf. Vor der Arbeit und am Abend bete ich und versuche, Herausforderungen mit meiner Lebenserfahrung und Fähigkeiten zu meistern, aber auch ins Gebet zu geben.
Wie triffst du schwierige Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Erfolg und biblischen Werten?
In solchen Situationen versuche ich, mich in die Stille zurückzuziehen und eine Nacht darüber vergehen zu lassen, um in der Stille Klarheit zu erhalten. Als zweite Möglichkeit suche ich den Austausch mit Vertrauenspersonen, meiner Frau oder Freunden. Das kann einen anderen Blickwinkel eröffnen.
Gab es eine Entscheidung, bei der du bewusst „gegen den Strom“ gehandelt hast?
Es gab schon verschiedene Entscheidungen, bei denen ich bewusst gegen den Strom gehandelt habe. Wenn man im Glauben tief verankert ist, kann man daraus Mut schöpfen, um aus der persönlichen Überzeugung heraus Entscheidungen zu fällen. Aus dieser Haltung heraus ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, Entscheidungen zu fällen, die anders ausfallen, als es die Mehrheit erwartet.
Gibt es Beispiele dazu?
Ja, beim Start in die Selbstständigkeit als Treuhänder habe ich bewusst den Entscheid für einen Datenschutz gefällt, von dem ich persönlich überzeugt bin. Erstens, Daten werden auf einem lokalen Server gehalten und nicht auf Clouddiensten. Zweitens, setze ich bewusst Linux Programme ein und nicht die weit verbreiteten Microsoft Produkte. Die Branche entwickelt sich aber derzeit komplett anders und der von mir gewählte Weg ist auch herausfordernd. Ich bin aber überzeugt, dass autonome Datenhaltung in der Zukunft gefragt sein wird.
Ein anderes Beispiel war eine anspruchsvolle Situation in einem Projekt in der Vergangenheit. Es ging um viel, der Fortschritt war zäh und die Situation für alle Beteiligten herausfordernd. Meine Gefühle zu einem relevanten Lieferanten kreisten sich um «Dies geht gar nicht!», Drohung mit Projektabbruch, Neuausschreibung der Arbeiten und so weiter. Im Projektausschuss wurde die Forderung geäußert, dem Lieferanten den Auftrag zu entziehen oder das Projekt zu stoppen. Ich ging einen halben Tag in die Natur und tat nichts. Am nächsten Morgen, ausgeruht, hatte ich eine Aussprache. Anstatt als Projektleiter mit Maßnahmen zu drohen, ist es mir gelungen mein Temperament zu zügeln und die richtigen Worte zu finden, ohne jemanden verbal anzugreifen. Das Projekt hat eine positive Wende genommen und konnte zu Ende geführt werden.
Wie baust du als christlicher Unternehmer durch deine Arbeit Reich Gottes?
Jeder hat seine Talente mitbekommen, und ich versuche, diese möglichst gut einzusetzen. Aber man kann nicht jede Herausforderung selbst meistern. Wenn man dies eingesteht, bringt das eine gewisse Demut mit sich. Das ist auch ein Erfolgsrezept, das einen weiterbringt.
Welche Entwicklung – sei es international oder ganz in deinem nahen Umfeld – beschäftigt dich im Moment?
Mich beschäftigt, dass die Gesellschaft und das Arbeitsleben sehr oberflächlich sind. In der Geschäftswelt wird ein gesunder Kreislauf zwischen Konsument, Mitarbeiter und Unternehmer in vielerlei Hinsicht oft gestört. Mich beschäftigt auch, dass das Vertrauen in Gott immer mehr auf einem tiefen Punkt ist. Dafür schwindet auch das Selbstvertrauen und der gesunde Menschenverstand. Ich bin immer mehr der Überzeugung, dass der Mensch ohne Vertrauen auf Gott hilflos ist. Daher bin ich umso dankbarer, dass ich zum Glauben finden konnte, der mir Halt und Orientierung bietet.




































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