Die CDU-Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach hat eine Programmbeschwerde gegen Jan Böhmermann und das ZDF eingereicht. Anlass ist eine Ausgabe des „ZDF Magazin Royale“. Bosbach beanstandet eine Passage, in der Böhmermann die Jesusfigur auf einem eingeblendeten Kruzifix unter anderem als „genderfluiden, bi-neugierigen, halbnackten POC Otter“ bezeichnet. Sie sieht darin eine Herabwürdigung des christlichen Glaubens, die über die Grenzen zulässiger Satire hinausgehe. Im Interview mit C-Heute äußert sich der Theologe und Kabarettist Dr. Fabian Vogt zum Vorgehen und ordnet die Debatte ein.
Wie haben Sie die Programmbeschwerde von Caroline Bosbach wahrgenommen?
Dr. Fabian Vogt: Das war wirklich ein skurriles „Magazin Royale“. Die AfD hat sich (zurecht) über einen Clip beschwert, in dem Böhmermann auf einem blauen Simson-Motorrad von einem LKW überfahren wird. Einige kirchliche Institutionen haben gefeiert, dass sie in der Sendung als Bollwerk gegen Rechts erwähnt wurden … und dann wurde auch noch Jesus verunglimpft. Ziemlich viel auf einmal. Da wurde bewusst mit Emotionen gespielt und das, nach meinem Empfinden, ohne echten Erkenntnisgewinn. Insofern: Gut, dass da jemand nachhakt.
Sie sind selbst Kabarettist. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Satire und Herabwürdigung religiöser Inhalte?
Intelligentes Kabarett macht nur etwas lächerlich, was lächerlich ist. Etwas, bei dem die meisten denken: „Das stimmt ja schon, was die oder der da sagt.“ Und das natürlich überspitzt. Um es mal mit einem Bild deutlich zu machen: Gute Satire ist wie Akupunktur – wenn sie nicht piekst, wirkt sie nicht. Aber wenn die Nadel auf der anderen Seite der Hand wieder rauskommt, ist es auch falsch. Sprich: Kabarett möchte auf Fehlentwicklungen in der Gesellschaft aufmerksam machen. Und natürlich gibt es die auch in Bezug auf religiöse Inhalte. Darum gilt: Sichtbarmachen ja, Herabwürdigen nein.
Darf Satire christliche Symbole wie das Kreuz verwenden? Was ist für Sie dabei entscheidend?
Erst mal: Ich glaube nicht, dass die Würde Gottes durch irgendwelche irdischen Scherze angekratzt wird. Da steht der Schöpfer des Himmels und der Erde im wahrsten Sinne des Wortes drüber. Und juristisch betrachtet ist auch die satirische Auseinandersetzung mit dem Kreuz in Deutschland durch die Kunst- und Meinungsfreiheit gedeckt. Für mich ist deshalb entscheidend: Geht es nur um Provokation oder bekommt das Publikum durch die Satire einen weiteren Horizont. Ich glaube übrigens, ich habe nur ein einziges Mal als Kabarettist frech über das Kreuz geredet. Mit dem Satz „Nie wieder buche ich bei einem christlichen Reiseveranstalter eine Kreuz-Fahrt.“ Und da ging es um Fehlentwicklungen in der Kirche.
Der ZDF-Staatsvertrag verpflichtet den Sender, religiöse Überzeugungen zu achten. Wie verträgt sich dieser Auftrag mit der Freiheit der Satire?
Das Dilemma lösen wir nur, wenn wir genau hinschauen, was Satire ist. Sie will deutlich machen, wo „etwas Mechanisches über etwas Lebendiges gestülpt ist“. So hat der französische Philosoph Henri Bergson das Phänomen „Humor“ definiert. Das heißt: Humor ist ein Freund des Lebens. Er will zeigen, wo das Leben durch falsche Strukturen und menschliche Torheit beeinträchtigt wird. Das wiederum heißt: Wenn Humor ein Freund des Lebens ist, dann will er weder beleidigen noch verletzen, diskriminieren oder verächtlich machen. Falls er das doch tut, kommt er an die Grenzen seiner Freiheit.
Bosbach zieht einen Vergleich mit dem Propheten Mohammed. Wie bewerten Sie diesen Vergleich?
Caroline Bosbach weist auf etwas Wichtiges hin: Ob jemand eine Aussage als verletzend empfindet, hat viel mit der Person zu tun. Und wenn wir uns an den schrecklichen islamistischen Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris erinnern, dann wissen wir, dass Mohammed-Karikaturen von vielen Muslimen als zutiefst verletzend empfunden werden. Als Kabarettist würde ich allerdings sofort ergänzen: Das ist für mich kein Vorbild. Dass Menschen aus Wut über eine Verunglimpfung im Namen ihrer Religion zu hasserfüllten Mördern werden, ist selbst eine widerwärtige Fehlentwicklung, über die man deutlich (und gerne auch satirisch) reden sollte.
Trägt Satire über Religion aus Ihrer Sicht eher zur Spaltung oder zum Dialog bei?
Wie gesagt: Das hängt von der Form der Satire ab. Wenn sie ihrem Namen Ehre macht, dann löst sie etwas aus, was sehr wohl zu konstruktiven Dialogen führen kann. Ich stehe ja seit über 35 Jahren als christlicher Kabarettist auf der Bühne und höre ganz oft: „Nach deinem Auftritt ist bei uns was in Bewegung gekommen, da hat uns diese oder jene Satire die Augen geöffnet und Mut gemacht, die Freiheit des Glaubens neu zu entdecken.“ Und wir dürfen eines nicht vergessen … Martin Luther war überzeugt: „Wer immer und überall lachen kann, der ist ein wahrer Doktor der Theologie“. Deshalb mache ich immer Mut zu einem heiteren Glauben.
Was würden Sie Gläubigen raten, die sich durch solche Sendungen verletzt fühlen?
Hört auf, solche Sendungen zu gucken! Und natürlich kann es sinnvoll sein, auch mal einen Leserbrief zu schreiben oder wie Frau Bosbach rechtliche Schritte einzuleiten. Noch wichtiger finde ich es aber, sich nicht in der Wut zu verlieren, sondern zu prüfen: Warum verletzt mich das? Was löst das in mir aus? Mir persönlich hilft es in solchen Fällen auch, mit anderen Leuten darüber zu sprechen. Denn meist wird mir dann ganz schnell deutlich: Weder Gott noch mein Glaube wird durch irgendwelche respektlosen Sprüche geschmälert.
Vielen Dank für das Gespräch!
Fabian Vogt ist Theologe, Autor und Kabarettist. Seit mehr als 35 Jahren steht er mit christlichem Kabarett auf der Bühne und bringt Glaubensfragen mit Humor auf den Punkt.







































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