Wenn die Temperaturen fallen, wird Wohnungslosigkeit schnell lebensgefährlich. Deshalb startet zum 1. November deutschlandweit die Kältehilfe. In Notübernachtungen, Suppenküchen, Tagesstätten und mit Kältebussen werden obdachlose Menschen betreut und versorgt. Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zufolge leben in Deutschland rund 56.000 Menschen ohne Unterkunft auf der Straße.
Diakonie: Kommunen in der Pflicht
Die Diakonie organisiert die Kältehilfe bundesweit. Dazu gehören Notübernachtungen, Tagesaufenthalte und Wärmestuben. Kältebusse fahren die Straßen ab und versorgen Menschen mit warmen Getränken, Decken und Schlafsäcken. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind dabei im Einsatz.
Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch sagt zum Start: „Obwohl die Kommunen rechtlich verpflichtet sind, obdachlose Menschen unterzubringen, kommen sie nicht alle dieser Verpflichtung nach. In den kalten Monaten kann das zur Lebensgefahr werden. Umso wichtiger ist es, dass diakonische und kirchliche Organisationen die Türen von zusätzlichen Notübernachtungen öffnen und mit Kältebussen direkt zu den Menschen fahren.“ Für die Diakonie gelte: Niemand dürfe abgewiesen werden. Schuch appelliert an die Kommunen, sich auch über die Kältehilfe hinaus um obdachlose Menschen zu kümmern. „Die Kältehilfe rettet Leben. Und sie braucht die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger und der Politik.“
Berliner Stadtmission: Nach Bränden wieder auf der Straße
Die Berliner Stadtmission ist zum Start der Saison wieder mit drei Kältebussen unterwegs, obwohl der Jahresbeginn 2026 für sie ein Schock war. Ein psychisch erkrankter Mann legte zwei Brände, zwei der drei Kältebusse erlitten Totalschäden. Unter den 60 ehrenamtlichen Kältebusfahrerinnen und -fahrern stellte sich die Frage: „Wie soll unsere Arbeit jetzt weitergehen?“
Die Antwort kam schnell: Nach nur einem Tag stand fest, dass Leihbusse die Nachtfahrten fortsetzen können. Menschen stellten Fahrzeuge zur Verfügung, boten Hilfe an und spendeten. Uli Neugebauer, Leiter der Kältehilfe bei der Stadtmission, dankt dafür herzlich: „Das hat mir gezeigt, wie sehr unsere Arbeit geschätzt wird, und dass die Solidarität am Ende viel größer ist als der Egoismus.“
Dank der Spenden konnte die Stadtmission zwei neue VW Crafter kaufen. Die Fahrzeuge wurden aufwendig umgebaut und sind ab dem 1. November im Einsatz. Sie verfügen über elektrische Hebebühnen, sodass auch mobilitätseingeschränkte Menschen transportiert werden können. Die Stadtmission bietet 225 Notübernachtungsplätze an.
Karen Holzinger, Leiterin der Wohnungslosenhilfe bei der Stadtmission, kündigt an, das Kältebus-Callcenter zu professionalisieren, um schneller bei hilfsbedürftigen Menschen zu sein. Für die Saison wünscht sie sich, „dass wir dorthin fahren, wo Menschen auf uns angewiesen sind, und so dazu beitragen können, dass niemand in dieser Stadt in diesem Winter erfrieren muss“.
Die Kältebusse der Berliner Stadtmission fahren seit 1994 und somit in der 32. Saison. Ihr Auftrag: obdachlose Menschen ins Warme bringen und vor dem Kältetod bewahren. Die Arbeit des Teams und die Fahrzeuge werden vollständig aus Spenden finanziert. Im vergangenen Winter 2025/2026 hatten die drei Kältebusse Kontakt zu 3.783 Menschen, die auf der Straße leben. 1.784 von ihnen brachten sie in eine warme und sichere Bleibe. Die Zahl steigt seit Jahren.




































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