DIE ZEIT hievt einen jungen, linken Christen auf die Titelseite, der Trumps Republikanern gefährlich werden könnte. Im Vorspann des Artikels im Innenteil schreibt die Wochenzeitung: „James Talarico erobert den konservativen US-Bundesstaat mit Populismus und der simplen Frage: Was würde Jesus tun?“
Der 37-jährige Demokrat James Talarico tritt in Texas für den US-Senat an, einem Bundesstaat im sogenannten Bible Belt, in dem sich mehr als zwei Drittel der Erwachsenen als gläubige Christen verstehen. Sein Glaube ist das Fundament seiner Politik. Geprägt wurde er vor allem von seinem Großvater, einem ehemaligen Pastor, und von der kleinen Gemeinde, in der er als Kleinkind getauft wurde. Talarico studierte Theologie und will eines Tages Pastor werden. Er verbindet soziale Gerechtigkeit mit der Frage, was Jesus in der heutigen Politik tun würde, etwa gegenüber einem Steuersystem, das Reiche bevorzuge, oder einem Gesundheitssystem, das Kranke zu Spendenaktionen zwinge. Sein Leitspruch, es sei Zeit, Tische umzuwerfen, spielt auf Jesu Protest im Tempel an.
Ein Glaubensvorbild gegen einen umstrittenen Gegner
Talaricos Gegenkandidat der Republikaner, Ken Paxton, ist Generalstaatsanwalt mit zahlreichen Skandalen, Ermittlungen und einem überstandenen Amtsenthebungsverfahren. Donald Trump unterstützt ihn trotzdem. Die ZEIT skizziert den Unterschied wie folgt: Talarico tritt demnach als gläubiger, bescheidener Mann auf, während Paxton als schamloser Sünder gilt.
Die Republikaner wiederum greifen Talarico und seinen Glauben an. Vizepräsident Vance behauptete auf einer Wahlkampfveranstaltung, Talarico behaupte, Gott sei nichtbinär. Republikanische Politiker und Kommentatoren haben ihn mit Spitznamen wie „Talafreako“ bedacht. Zudem kursierten Angriffe auf seine Männlichkeit und Spekulationen über seine Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung, obwohl dafür keine Grundlage vorliegt. Republikanische Gegner attackieren Talarico nicht nur wegen seiner progressiven Positionen zu Geschlechter- und Gesellschaftsfragen. Zeitweise machten sie sich auch über seinen vegetarischen Lebensstil lustig und stellten ihn als „untypischen Texaner“ dar.
Glaube als Brücke zu den Latinos
Ein zentrales Thema ist die Rolle der Latinos. Im Rio Grande Valley berichtet der Bauunternehmer Mario Guerrero von Festnahmen durch die Einwanderungsbehörde ICE, auch von Menschen mit gültigen Papieren. Guerrero hatte Trump dreimal gewählt, fühlt sich nun aber betrogen. Nach einem Gespräch mit Talarico soll ein Kollege gesagt haben, er habe gerade „Jesus getroffen“. Auch Talaricos Heimatgemeinde zeigt, wie sein Glaube wirkt. Pastor Jim Rigby, der ihn taufte, predigt gegen das „Maga-Christentum“ und für Nächstenliebe, muss aber mit Anfeindungen und heimlichen Filmaufnahmen leben. Ob Talarico mit seinem Glauben tatsächlich eine Mehrheit gewinnt, wird sich zeigen.






































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