Ich liebe den Herrn, denn er hat mich erhört, als ich zu ihm
um Hilfe schrie. Ja, er hat sich zu mir herabgeneigt; mein
Leben lang will ich zu ihm rufen!
Psalm 116,1–2
Kaum hatte mein Sohn Jonathan den Führerschein, als er mir schon ankündigte, dass er zusammen mit zwei Schulfreunden mit dem Auto eine Strecke von mehr als 3.000 Kilometern zurücklegen wollte. Ich flehte ihn an, nicht ganz so weit zu fahren. Doch mein Sohn wischte all meine Bedenken beiseite und fuhr los. Drei Tage später bekam ich einen Anruf von einem mir unbekannten Herrn: „Ihr Sohn ist mir hinten aufgefahren. Den Jungs geht es gut, aber das Auto ist ziemlich beschädigt.“ Toll, dachte ich, ein kaputtes Auto und kein Geld für die Reparatur. An den folgenden Tagen wartete ich auf einen Anruf von Jonathan. Aber er rief nicht an. Eine Woche lang litt ich Qualen – es kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor.
Dann kam mein Sohn in unsere Küche geschlendert. „Warum hast du dich denn nicht gemeldet?“, fragte ich aufgebracht. „Ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst“, antwortete er. Eine rücksichtsvolle Überlegung – vielleicht. Aber das, was
ich wirklich wollte, war, dass mein Sohn mich anrief, wenn er in Schwierigkeiten steckte. Ich wollte die Möglichkeit haben, ihm zu helfen. So muss Gott sich fühlen, wenn wir ihn nicht um Hilfe bitten. Warum kommen wir mit unserer Not nicht zu ihm? Oft schämen wir uns. Doch das ist kein guter Grund, zu Gott auf Abstand zu gehen. Er sehnt sich danach, von uns zu hören – gerade dann, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Eines der schönsten Worte in der Bibel ist: „Komm!“ Diese Einladung gilt auch, wenn wir unsere Schwierigkeiten selbst verursacht haben. „Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle“ (Jesaja 1,18; Einheitsübersetzung). Unser Gebet ist Ausdruck einer Beziehung mit Gott. Wenn wir zu Gott kommen, hört er uns zu. So wie ich meinem Sohn helfen wollte, will er uns helfen. Er ist nicht gerade so sehr mit der Lösung irgendeines globalen Problems beschäftigt, dass er nur kurz grunzt, um zu signalisieren, dass
er unsere Gegenwart bemerkt hat. Nein, er hört jede einzelne Stimme, als ob sie die einzige wäre. Er schenkt uns seine volle Aufmerksamkeit. Wir dürfen so zu Gott kommen, wie wir sind. Wir dürfen ihm sagen, was uns beschäftigt. Er hört uns, und er wird so handeln, wie es für uns am besten ist.









































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