Zu viele Missstände, zu viel Machtmissbrauch. Zu wenig Inklusion, zu wenig Gnade. Deshalb schrieb ein einfacher deutscher Mönch 1517 einen Rundbrief an die Kirchenobersten, in dem er 95 Thesen zur Diskussion stellte und Veränderungen forderte. Veränderungen zum Wohle der Menschen und zur Ehre Gottes. Und, so erzählt man sich, machte sich Martin Luther auf und lief an einem Herbsttag, dem 31. Oktober 1517, zur Stadtmitte Wittenbergs und hämmerte den eben verschickten Rundbrief an die Pforte der Schlosskirche (ob Luther dies tatsächlich so tat, ist jedoch umstritten). So wie es alle taten, die wichtige Neuigkeiten in der kleinen Stadt verbreiten wollten. Genau daran erinnert der Reformationstag, der übrigens in etlichen deutschen Bundesländern als Feiertag verankert ist.
Noch heute strömen Touristen aus aller Welt zur Wittenberger Schlosskirche und untersuchen die hölzerne Tür auf kleine Löcher, in denen einst die Nägel steckten. Doch diese Tür gibt es nicht mehr. Sie fiel einem Brand im Jahre 1760 zum Opfer. Die Ideen des Mönches leben jedoch weiter. Sie wurden tausendfach geteilt, diskutiert und umgesetzt. Sie waren Ausgangspunkt für eine einzigartige Veränderung. Eine Transformation, die die damalige (Kirchen-)Welt aus den Angeln hob, die die Kirche spaltete, eine Reformation althergebrachter Traditionen und Machtgefälle. Seither gibt es Bestrebungen, die Kirche permanent zu verändern, nahe zu den Menschen zu bringen und Gottes Gnade sichtbar zu machen.
Um dem Volk die biblische Botschaft näherzubringen, übersetzte Luther die Bibel ins Deutsche. Sein Freund Philipp Melanchthon hatte ihn davon überzeugt. Luthers Übersetzung des Neuen Testaments, das „Septembertestament“, erschien am 29. September 1522 – rechtzeitig zur Buchmesse in Leipzig. Übrigens: Luther übersetzte zwar nicht als erster die Bibel ins Deutsche, seine Übersetzung war jedoch die mit Abstand bedeutendste und prägendste.
Luther, der Judenfeind
In der Hälfte der deutschen Bundesländer ist der Reformationstag gesetzlicher Feiertag. Ein Gedenktag an Martin Luther, den mutigen Mönch mit der Vision einer barmherzigen Kirche, einer Transformation (oder auch Reformation) kirchlicher Strukturen und eines Priestertums aller Gläubigen. Deshalb werden nach dem großen Reformationsjahr 2017 weiter die Errungenschaften der Reformation gefeiert.
Was Luther selbst betrifft, dürfen seine Spätschriften nicht verschwiegen werden. Darin polemisierte er teils scharf gegen Papsttum, Türken und Juden. Während er sich in seinen frühen Schriften noch für eine Integration der Juden ausgesprochen hatte, verlangte er später ihre Vertreibung. In einem Brief vom August 1514 stellte sich der Reformator noch hinter den Humanisten Johannes Reuchlin, der sich gegen die Verbrennung jüdischer Schriften wandte. 1523 veröffentlicht Luther die Schrift „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“. 1538 folgt das Pamphlet „Wider die Sabbather“, 1543 die berüchtigte Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“. Für Anhänger der „Täuferbewegung“ forderte er die Todesstrafe.
Die EKD-Synode distanzierte sich 2015 von Luthers judenfeindlichen Schriften.




































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