Die „Legacy Church“ mit neun Standorten in New Mexico hat laut einem Bericht des Guardian zwei republikanische Kandidaten für die Zwischenwahlen 2026 offen unterstützt: den Kongresskandidaten Greg Cunningham und den Gouverneurskandidaten Gregg Hull. Pastor Steve Smothermon rief Gemeindemitglieder öffentlich dazu auf, Cunningham zu unterstützen und wählen zu gehen. Cunningham tritt gegen den demokratischen Abgeordneten Gabriel Vasquez an, dessen Wahlkreis als einer der wenigen umkämpften Wahlkreise des Bundesstaates gilt.
Juristische Brisanz
Die Wahlempfehlungen sind juristisch brisant. Nach dem sogenannten Johnson Amendment von 1954 dürfen steuerbefreite Organisationen keine Kandidaten für öffentliche Ämter unterstützen oder ablehnen. Das Verbot gilt ausdrücklich auch für Kirchen. Zwar versucht die Trump-Regierung seit Jahren, die Regelung aufzuweichen. Ein von der Steuerbehörde IRS unterstützter Vergleich, der Kirchen mehr Spielraum für politische Empfehlungen verschafft hätte, wurde jedoch im März 2026 von einem Bundesrichter zurückgewiesen. Das Justizministerium legte daraufhin Berufung ein. Bis zu einer neuen Gerichtsentscheidung bleibt das Verbot in Kraft.
Langjähriger Konflikt
Legacy Church steht seit Jahren wegen politischer Aktivitäten in der Kritik. Bereits 2021 sprach Smothermon Wahlempfehlungen für kommunale Kandidaten aus. 2022 bezeichnete er die demokratische Gouverneurin des Bundesstaates als „dämonisch“ und unterstützte ihren republikanischen Herausforderer. Die säkulare Organisation Freedom From Religion Foundation reichte deshalb Beschwerde bei der Steuerbehörde ein. Zu einem Verfahren gegen die Kirche kam es bislang jedoch nicht.
Streit über Religionsfreiheit und Politik
Smothermon verteidigt sein Vorgehen mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit. Gegenüber dem Guardian erklärte er, politische Rede dürfe nicht eingeschränkt werden. Befürworter einer Lockerung des Johnson Amendment argumentieren ähnlich und sehen in dem Verbot einen Eingriff in die Autonomie von Kirchen. Organisationen wie Americans United for Separation of Church and State halten dagegen, das Verbot schütze die Trennung von Kirche und Staat und verhindere parteipolitische Einflussnahme über steuerbegünstigte Einrichtungen.
Kein Einzelfall
Der Fall steht für eine breitere Entwicklung in den USA. Eine 2026 veröffentlichte Studie von Forschern der Universitäten Notre Dame, Dartmouth und Pennsylvania wertete mehr als 88.000 Predigten aus den Wahlzyklen 2020 bis 2024 aus. Demnach nutzten mindestens 14,7 Prozent der untersuchten Gemeinden direkte politische Aufrufe rund um die Wahl 2024. Andere Erhebungen zeichnen allerdings ein zurückhaltenderes Bild: Laut Lifeway Research verzichteten 98 Prozent der befragten Pastoren darauf, im Gottesdienst konkrete Wahlempfehlungen auszusprechen. Unstrittig ist jedoch, dass die Frage nach dem Verhältnis von Kirche und Politik in den USA derzeit stärker umkämpft ist als noch in der Zeit vor der Präsidentschaft von Donald Trump.




































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