Am 12. Oktober predigte das australische Pastorenpaar Martin und Millicent Sedra im kommunalen Bürgerhaus der Gemeinde Garching bei München. Die beiden sind Pastoren der neocharismatischen Echo Church in der Nähe von Sydney. Sie waren kurz zuvor nach Protesten als Redner des Fire Festivals in Stuttgart ausgeladen worden. Die Alternativveranstaltung wurde laut der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) von David Rotärmel vom Missionsverein „Reviving the World“ organisiert.
Wie die Zentralstelle mitteilte, nahm EZW-Referentin Judith Bodendörfer vor Ort an der Veranstaltung in Garching teil, zwei weitere Mitarbeitende verfolgten die Veranstaltung demnach im Livestream. Das EZW-Team spricht in einem Instagram-Beitrag von „homophoben und islamophoben“ Aussagen und wirft den Rednern „hochaggressive Rhetorik“ vor. Nach Angaben der EZW waren etwa 200 bis 250 Menschen vor Ort, darunter auch Kinder. Dazu kamen ca. 300 Teilnehmende online.
„Sodom und Gomorra“
Im Livestream ist zu sehen, wie Martin Sedra zu Beginn seiner Predigt laut ruft: „Jesus herrscht über Deutschland, die Regierung herrscht nicht über Deutschland, der Teufel herrscht nicht über Deutschland, LGBTQ herrscht nicht über Deutschland, Mohammed herrscht nicht über Deutschland“. Die Medien, die Hasser, die Liberalen – sie alle hätten versucht, Gott zu stoppen. Aber heute werde „Jesus auf dem Thron sitzen“.
„Wenn die Bibel spricht, dann halt deine Klappe“, sagt Sedra. Er spricht nicht, weitgehend ruft und schreit er seine Botschaft hinaus. Die Pride-Bewegung, Transgender und Drag nennt er „dämonisch“ und fordert, Regenbogenflaggen aus Deutschland zu entfernen. In dieser Passage wechseln er und sein Übersetzer häufig in eine Stimmlage und Aussprache, die offenbar einen homosexuellen Mann karikieren und lächerlich machen soll.
In Deutschland würde der „Geist der Unzucht“ wachsen, sagt Sedra. Und diese Unzucht werde durch die Pride-Bewegung verursacht, die Gott verhöhne und „direkt aus der Hölle" käme – ein Wiederaufleben von „Sodom und Gomorra“. Ungerechte, Abergläubische, sexuell unreine Menschen, Männer, die Homosexualität praktizieren – sie alle würden das Reich Gottes nicht erben. „Meine Botschaft an die Pride-Bewegung und die Homosexuellen lautet: Kehrt euch ab von eurer Sünde, oder der Zorn Gottes wird euch zerstören.“
Flüche über den Islam
Zum Islam äußerte sich Sedra unter anderem wie folgt: „Der Geist des Islam versucht zu töten, was Gott in Europa gestartet hat“. In einem späteren Teil spricht Sedra Flüche aus über den „Geist des Islam“, Mohammed und den Koran. Der Teufel versuche, die Erweckung Deutschlands durch den Islam zu verhindern. Kritisch erwähnt er Gesetze in muslimisch geprägten Ländern, in denen der Abfall vom Islam als Verbrechen gilt.
Zum Thema Abtreibung sagt er: „Wenn du heute über die Ermordung von Millionen von Kindern schweigst, dann wärst du auch während des Holocaust still gewesen.“ Schließlich ruft Sedra den Zuhörern zu: „Heute Abend haben wir den Krieg begonnen. Und ihr werdet die sein, die diesen Krieg beenden werden.“
Die EZW bezeichnet es in ihrem Beitrag als „verstörend, dass sich zahlreiche Menschen aus der neocharismatischen Szene von derlei Hass und Hetze anziehen und überzeugen lassen“ und wünscht sich ein „Nachdenken über die religiösen und ethischen Inhalte“.




































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