Im aktuellen Interview geht es um die Felder Einzelkämpfer vs. Teammensch, Life vs. Work und Ehe vs. Paar. Es wird auch klar, wieso das Gebet stets ein fester Pfeiler in Rolfs Leben war, und wie konkrete Schritte für einen gelingenden Projektstart aussehen können.
Mit Jesus unterwegs, lernbereit bleiben und Verantwortung teilen
Der pensionierte Allrounder mit Helferherz führt die Firma "„Christlich ganzheitliche Heilkunde“ (CgH), die im Frühling das 25jährige Jubiläum feierte. Klar, dass der Allrounder es aktiv liebt: Gitarrenspiel, Fußball und anderen Sportarten sowie leckeres Essen, das er mit seiner Gabi genießt. Letzteres ist ein Peak in den Alltags-Oasen eines zufriedenen Rolf Nussbaumers. Roland Streit war für Livenet im persönlichen Austausch mit dem Gesundheits-Experten.
Zum Einstieg: Wie hat sich deine eigene, viel besagte Work-Life Balance entwickelt?
Rolf Nussbaumer: Das ist tatsächlich eine meiner größten Herausforderungen. Als 70-Jähriger, der sich weiterhin auf verschiedenen Ebenen engagiert, muss ich mich immer wieder auf das Wesentliche ausrichten. Dazu gehören für mich besonders die Pflege von Beziehungen und Freundschaften. In den 25 Jahren von CgH und der Schule SG sind viele wertvolle Beziehungen entstanden und gewachsen. Seit einigen Jahren engagiere ich mich zudem in einem Netzwerk, das einen geistlich bedeutsamen Aufbruch im Appenzellerland fördert. Dazu gehören zwei Männergruppen.
Eine meiner wichtigsten Lebensressourcen ist jedoch die bewusste Zeit mit Jesus. Ich habe mit ihm vereinbart, dass er mich jede Nacht einmal wecken darf. Das erlebe ich seither regelmäßig. Es geht dabei nicht um Leistung, sondern um kostbare Begegnungen am Vaterherz Gottes. Diese Zeiten an der nie versiegenden Lebensquelle möchte ich nicht mehr missen.
Mein Tipp: Richte dich immer wieder auf das Wesentliche aus. Pflege deine Beziehungen, achte auf deine Grenzen und schaffe bewusst Raum für das, was deinem Leben Kraft, Orientierung und Tiefe gibt.
Wo hast du in der Balance zwischen Einzelkämpfer und Teamplayer dazugelernt?
Über viele Jahre sah ich mich eher als Einzelkämpfer und nahm mich selbst mehr als sach- denn als beziehungsorientiert wahr. Die Wende kam durch die intensive Auseinandersetzung mit meiner persönlichen Versöhnungsgeschichte. Für diesen anspruchsvollen Prozess nahm ich auch Unterstützung von außen in Anspruch. Das hat mein Leben grundlegend verändert.
Eine besondere Team-Erfahrung machten meine Frau Gabi und ich kürzlich auf einer achtwöchigen Reise durch Skandinavien in einem gebrauchten Renault Trafic, der als kleiner Camper eingerichtet ist. Dabei entdeckten wir, wie gut wir unsere unterschiedlichen Begabungen einsetzen konnten: Gabi navigierte, recherchierte und kümmerte sich um die Innenreinigung; ich war Chauffeur, Koch und Angler. Den Abwasch erledigten wir gemeinsam. Obwohl wir bereits fast vierzig Jahre verheiratet sind, lernten wir, unsere Eigenarten und Vorlieben noch mehr zu schätzen. Meine wichtigste Erkenntnis: Ein gutes Team besteht nicht daraus, dass alle gleich sind, sondern dass jeder seine Stärken einbringt, Unterschiede wertschätzt und man auch unter schwierigen Bedingungen gemeinsam unterwegs bleibt.
Diese Erkenntnis prägt auch meine Führungsarbeit bei CgH. Seit rund zwei Jahren setze ich mich gezielt dafür ein, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen und Weiterentwicklung zu fördern. Zwei neue Mitarbeitende verstärken das Team. Mein Ziel ist, dass viele Menschen ihre Begabungen einbringen und Verantwortung übernehmen können. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist die Geschichte von Heinz Hagmann. Seine Mitarbeit ermöglichte es CgH, intern und extern professioneller aufzustellen.
Wie hast du Gottes Hilfe in den 25 Jahren als Leiter erlebt?
Die Geschichte, wie Heinz Hagmann zu CgH kam: Nachdem Kurt Osswald als Unternehmensberater viele Grundlagen legte und das Projekt verließ, stieg meine Belastung massiv an. Ich benötigte dringend Unterstützung. Trotz eines aufwendigen Prozesses mit rund 30 Bewerbungen fand sich keine passende Lösung. Da erhielt Karin Brüggen, eine ehemalige Physiotherapeutin, im Gebet den Eindruck, Heinz Hagmann zu kontaktieren. Heinz, damals Leiter der Physiotherapieschule in Schinznach, zeigte zwar Interesse, wollte seine Stelle jedoch nicht aufgeben. Ein halbes Jahr später erhielt Karin erneut den Eindruck, ihn anzufragen. Diesmal stieß die Anfrage auf Resonanz. Bei einem anschließenden Treffen prüfte Heinz sorgfältig, ob eine Mitarbeit bei CgH für ihn infrage kam. Er stellte beim Kanton drei Anträge, die er als mögliche Bestätigung für Gottes Führung verstand:
- Er wollte mich bald kleinprozentig unterstützen und später vollständig zu CgH wechseln können.
- Er wollte die zweijährige CgH-Weiterbildung nebenberuflich absolvieren können, wobei der Kanton die Kosten übernehmen sollte.
- Auch die Reisespesen für die Weiterbildung sollten vom Kanton getragen werden.
Innerhalb von nur drei Tagen wurden alle drei Anträge bis hin zum Regierungsrat vollumfänglich bewilligt. Damit wurde der berufliche Wechsel von Heinz möglich! In den folgenden Jahren entstand zwischen uns zweien eine tiefe Freundschaft, die weit über das Arbeitsverhältnis hinausging. Gemeinsam entwickelten wir CgH weiter und stellten sie professioneller auf. Für mich ist diese Geschichte ein eindrückliches Zeugnis, wie Gottes Führung durch Menschen, Gebet und konkrete Schritte erfahrbar werden kann. Sie ermutigt mich, auch in schwierigen Situationen nicht vorschnell aufzugeben, offen für Gottes Reden zu bleiben und gleichzeitig beharrlich die nächsten Schritte zu gehen.
Welche Tipps hast du für Personen, die eine Firma oder Projekt starten wollen?
1. Bleibe mit Jesus im Gespräch. Beziehe ihn in deine Entscheidungen, Prozesse und Lebensfragen ein. Er ist die Quelle des Lebens und schenkt Orientierung. Gestalte deinen Alltag bewusst mit ihm.
2. Pflege Beziehungen und lebe versöhnt. Sei barmherzig und geduldig mit dir selbst und begegne anderen so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Investiere in Freundschaften und tragfähige Beziehungen. Lebe versöhnt mit Gott, deinen Mitmenschen und dir selbst. Bleibe authentisch und lernbereit.
3. Entdecke deine Berufung und fördere andere. Sei offen für Neues, flexibel und auf das Wesentliche fokussiert. Entdecke deine Berufung und bringe deine Begabungen unter der Leitung des Heiligen Geistes zum Wohl anderer ein. Stärke Menschen, damit auch sie ihre Potenziale entfalten und Verantwortung übernehmen können.
Führung bedeutet für mich, mit Jesus unterwegs zu sein, selbst lernbereit zu bleiben und Verantwortung so zu teilen, dass andere ihre Begabungen entfalten können.
Mehr Informationen zur Schule gibt es hier.








































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