Selbstverständlich beleuchten die Medien die politischen Überzeugungen des Berner Regierungspräsidenten Pierre Alain Schnegg, der sich nun für die Landesregierung ins Spiel gebracht hat. Schnegg gilt in Gesellschaftsfragen wie Migration oder Sozialpolitik als konservativ und in Wirtschaftsfragen als liberal. Erstaunlich ist, wie stark die Schweizer Medien den Glauben des SVP-Bundesratskandidaten gewichten.
«Wie oft gehen Sie in die Kirche, Herr Schnegg?»
Die Neue Zürcher Zeitung unterhielt sich in einem Interview über seine religiösen Überzeugungen. Wie oft er in die Freikirche «Gemeinde für Christus» gehe, wollte die NZZ wissen. Darauf Schnegg: «Wenn ich keine anderen Verpflichtungen habe, gehe ich am Sonntag in die Kirche.» Im weiteren Verlauf des Gesprächs macht er deutlich, wie sehr der Glaube ihm Halt gebe. Für ihn ist klar, dass es eine Macht gibt, die alles in den Händen hält. «Mein Glaube hilft mir, sowohl gute wie schlechte Momente zu relativieren. Man gewinnt und verliert, aber es gibt Wichtigeres im Leben.»
Die «christlichen Fundamentalisten»
Ohne mit dem Protagonisten gesprochen zu haben, warnt das News-Portal «Watson» in seinem Sektenblog vor der ideologischen Haltung der Freikirche «Gemeinde für Christus», die der Berner Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg besucht. «So tickt die Freikirche von Bundesratskandidat Schnegg», steht im Titel dieser Streitschrift gegen das bedrohliche evangelikale Gedankengut der Gemeinde für Christus. Mit wild zusammengestellten O-Tönen aus Predigten der Gemeinde für Christus stellt der Autor nicht nur den Politiker Schnegg als christlichen Fundamentalisten dar, sondern tut den Glauben an Jesus per se als «kindlich wirkend» und dogmatisch ab.
Diese Art von «Framing», die auch im Zusammenhang mit den «frommen Kickern» an der Fußball-WM oder den «hippen Missionaren» (ARD-Dokumentation) gerne angewandt wurde (siehe YouTube-Video von «Glaube & Gesellschaft), kommt hier in Reinkultur zum Einsatz. Wenn «Sektenexperte» Hugo Stamm verwundert davon schreibt, dass solche Gläubige ihr ganzes Leben Gott und Jesus widmen und tatsächlich «in apokalyptischer Manier» an die Wiederkunft des Erlösers in naher Zukunft glauben, dann ist klar, woher der Wind weht.
«Würden die Medien auch so schreiben, wenn ich Muslim wäre?»
Im Video-Interview mit der «Weltwoche», die zugegebenermaßen mit ihrer konservativen, wirtschaftsliberalen Ausrichtung wohlwollend über Politiker wie Schnegg berichtet, erhält er die Gelegenheit, seinen Glauben genauer zu erklären. Für ihn sei er eine Kraftquelle und kein Nachteil für ein politisches Amt. Dank seines Glaubens könne er bewusst die Sorgen auf Gott werfen (1. Petrus 5,7), was ihn von der erdrückenden Last der Verantwortung befreie und ihm mentale Entlastung biete.
Er betont die Bedeutung der Religionsfreiheit, warnt aber davor, Religion als politisches System zu etablieren (die Sequenz zum Thema kann hier nachgeschaut werden). Auf die Frage, ob er anders behandelt würde, wenn er Muslim wäre, äußert Schnegg sich kritisch gegenüber der aktuellen Berichterstattung über seine Freikirche. Er betont, dass Religionsfreiheit für alle Personen in der Schweiz geschützt werden müsse, fragt sich jedoch, ob die Reaktionen auf seine Person dieselben wären, wenn er muslimischen Glaubens wäre.
Gegen Ende der Corona-Pandemie, am 25. Januar 2022, war Pierre Alain Schnegg auch Gast in einem Livenet-Talk mit dem Titel «Regierungsrat baut in Krise auf Gott». Damals brachte er seine Zuversicht zum Ausdruck, dass viele Menschen durch digitale Gottesdienste während der Pandemie die wahre Botschaft von Jesus gehört haben, die sie sonst vielleicht nie erreicht hätte.







































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