Der eiskalte Fahrtwind fühlt sich an wie 1.000 stechende Nadeln. Es ist elf Uhr vormittags und minus zwei Grad kalt – gefühlt sind es minus zehn. Zum Glück ist es nicht glatt. Der Nebel hängt wie ein Bühnenvorhang in den Straßen Osnabrücks und lässt nur erahnen, was nach der nächsten Ampel kommt. Durch meinen Helm zieht der Wind durch und schlägt mir ins Gesicht. Ich sitze als Beifahrer auf einem Roller und halte mich an Martin fest, der sicher und routiniert die Strecke fährt. Ihn begleite ich heute bei seinem Job. Martin ist 42 Jahre alt. Er hat kurze, schwarze Haare und ein sicheres Auftreten. Er ist eigentlich ein ruhiger Typ, aber trotzdem nicht auf den Mund gefallen und hat einen trockenen Humor. Diese Fahrt ist Teil seiner Arbeit, denn Martin ist mobiler Tankwart – der einzige in Deutschland. Er steht nicht hinter der Kasse und fragt nach der Zapfsäulennummer, sondern ist selbstständig. Er fährt zu den Kunden hin und sucht mit seinem Roller im Straßenverkehr nach Aufträgen, ganz nach dem Motto: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg zum Propheten kommen. Durch den Nebel sind die Lichter der Autos etwas matt, aber er zeigt mir während der Fahrt einige Autos mit defekten Lampen. Für mögliche Kunden hat Martin ein sehr wachsames Auge und stets einen Koffer mit Lampen und Werkzeug parat. Vor der Fahrt hat mir Martin seine Lebensgeschichte erzählt.
Vom Tankstellenräuber zum christlichen Tankwart

Weil Martin Weimer eine Tankstelle überfiel, landete er hinter Gittern. Nach der Haft machte er eine Lehre zum Tankwart. Mit seiner fahrenden Werkstatt macht er jetzt die Straßen Osnabrücks sicherer. Eine „Saulus-zum-Paulus“-Geschichte mit Tragik und Komik zugleich.









































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