Durch das Aufkommen von urbanen Jugendkirchen in den letzten Jahrzehnten haben viele Jugendliche das neutestamentliche Bild von einer generationenübergreifenden Kirche verloren. Wenn wir uns das Bild des Körpers aus 1. Korinther 12 vor Augen führen, dann wird uns deutlich vor Augen gemalt, wie absurd die Idee ist, nur mit einer bestimmten Altersgruppe Kirche zu sein. Da werden ganz sicher viele Körperteile fehlen. Nur wenn ALLE dazugehören, ist der Körper komplett. So geht auch Paulus in seinem ersten Brief an Timotheus selbstverständlich davon aus, dass es sowohl Ältere als auch Jüngere in seiner Kirche gibt (1. Timotheus 5,1–2).
Als Jugendarbeit einer generationenübergreifenden Kirche ist man ganz bestimmten Herausforderungen ausgesetzt. Die Gefahr, eine eigene Kirche in der Kirche zu werden, ist wohl für keine andere Altersgruppe so groß. Die Angst, die Verbindung zu den Jugendlichen zu verlieren, ist bei den älteren Generationen allgegenwärtig. Ein gutes und gesundes Miteinander zu finden, ist eine Challenge, zu der du als Jugendleiter enorm viel beitragen kannst. Die folgenden Impulse zeigen dir auf, worauf du besonders achten solltest.
Primäre Identifikation mit der ganzen Kirche
Eine typische Herausforderung einer boomenden Jugendarbeit in einer generationenübergreifenden Kirche ist, dass man so etwas wie eine Kirche in der Kirche werden kann. Oder, mit anderen Worten: Die Identifikation mit der Jugendarbeit kann stärker werden als die mit der ganzen Kirche. Verstärkende Faktoren für diese Diskrepanz sind ein hoher Altersdurchschnitt der Erwachsenencommunity, ältere Gemeindeleiter, welche die Connection mit den Jugendlichen verloren haben, und langjährige Kirchentraditionen, die „schon immer so waren“. Bis zu einem gewissen Grad ist dieses Phänomen akzeptabel, aber es kann auch sehr ungesund werden.
Anzeichen für eine ungesunde Jugendkirche in der Kirche sind:
- Die Jugendlichen sprechen negativ von der Erwachsenencommunity
- Die Jugendleiter und der Gemeindeleiter haben ein angespanntes Verhältnis
- Es gibt wenige Überschneidungen zwischen der Jugendarbeit und der restlichen Kirche
- Nach der Jugendarbeit treten viele Jugendliche aus der Kirche aus.
- Jugendleiter wollen möglichst lange in der Jugendarbeit bleiben, selbst wenn sie zu alt dafür sind.
Wir hatten in den ersten Jahren meines Dienstes all diese Kriterien erfüllt, außer dem angespannten Verhältnis. Es hatte sich in der Jugendarbeit bei uns eine Art Parallelkirche entwickelt, mit eigenen Gottesdiensten, Kleingruppen, Pastoren und einer eigenen Kultur. Der Wechsel aus der Jugendarbeit war einem Gemeindewechsel gleichgekommen. Sehr viele haben verständlicherweise diesen Schritt nicht geschafft.
Uns war klar, dass wir etwas ändern mussten. So brachte der Gemeindeleiter einen längeren Prozess ins Rollen, zwischen den Jugendpastoren und der Gemeindeleitung. Eines der offensichtlichen Ziele war, dass wir die Identifikation und Nähe der Jugendlichen mit der ganzen Kirche stärken mussten. Ein paar der wichtigsten Schlüssel für uns waren:
- gemeinsam und auf Augenhöhe an der Lösung arbeiten
- möglichst wenige Parallelstrukturen
- keine wöchentlichen Jugendgottesdienste mehr. Dafür: den Sonntag auch für die Jugendlichen zu ihrem Gottesdienst machen
- gemeinsame Werte und Idealvorstellungen erarbeiten
- Nähe zwischen dem Jugendleiter und dem Standortleiter
- Vertrauensvorschuss und Plattformen für die Jugendlichen am Sonntag
- gegenseitig keine falsche Haltung einander unterstellen
- warme Beziehungen fördern. Warm ist das neue „cool“
Heute können wir voller Dankbarkeit und Demut sagen, dass wir diesen großen Change gemeinsam erfolgreich geschafft haben. Der Wechsel aus der Jugendarbeit zu den Erwachsenen gelingt heute gut, das gegenseitige Vertrauensverhältnis ist stark, die Sonntagsgottesdienste sind viel zeitgemäßer, und die Jugendlichen sind stolz auf ihre Kirche.
Reflexionsfragen
- Treffen einzelne Punkte der Auflistung von „Anzeichen für eine ungesunde Jugendkirche in der Kirche“ bei euch zu?
- Wie warm sind die Beziehungen zwischen den Jugendlichen und den älteren Generationen?
- Wo sind die größten Unterschiede zwischen eurer Jugendarbeit und der gesamten Kirche?
Dies ist ein Auszug aus dem Buch „Kirchliche Jugendarbeit“ von Joel Meier (Verlag BoD – Books on Demand, ISBN 9783695124992). In den kommenden Wochen bietet Livenet weitere Einblicke in den Inhalt des Buches.
Zum Buch: Kirchliche Jugendarbeit






































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