Wie das Magazin Christianity Today berichtet, wird in Großbritannien zunehmend über „christlichen Nationalismus“ diskutiert. Hintergrund sind politische Bewegungen und Proteste, bei denen christliche Symbole und Verweise auf das christliche Erbe des Landes eine wichtige Rolle spielen. Bei den Kundgebungen der Unite the Kingdom-Bewegung werden Kreuze getragen und „Christ is King“ gerufen.
Führende Kirchenvertreter raten zur Vorsicht. Der Oxford-Theologe Luke Bretherton, Berater der Bischöfe der Church of England, hält den Begriff selbst für problematisch. Er sei „kein theologischer Begriff“ und eigne sich nur begrenzt, um komplexe gesellschaftliche Entwicklungen zu beschreiben, schreibt er.
Eine aktuelle Studie des christlichen Thinktanks Theos zeigt laut Christianity Today, dass elf Prozent der Briten Christentum und nationale Identität besonders eng miteinander verbinden. Diese Gruppe betrachtet das christliche Erbe als schützenswert und sieht äußere Einflüsse teilweise kritisch. Auffällig sei jedoch, dass die Betroffenen nur wenig häufiger Gottesdienste besuchen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Spencer beobachtet, dass der Begriff inzwischen fast alles umfasse, was einem liberalen, säkularen Weltbild widerspricht.
Kirchenleitende Personen warnen davor, christliche Symbole für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Der Generalsekretär von Churches Together in England, Mike Royal, erklärte, eine geistliche Erneuerung im Land dürfe nicht von einer Form des christlichen Nationalismus vereinnahmt werden.
In einem Papier schlägt die Generalsynode der Church of England deshalb vor, Großbritannien als „demos” zu verstehen: eine politische Gemeinschaft, die sich über gemeinsame Institutionen, Gesetze und Verantwortung für das Gemeinwohl definiert, nicht über „Blut, Boden oder Religion” allein. Dazu gehöre, die Schattenseiten der Geschichte zu benennen, etwa den Wohlstand, der auf Sklaverei und Ausbeutung beruhte, ohne das Gute zu verschweigen.
Wachsendes Interesse an Glaubensfragen
Gleichzeitig sehen viele Christen eine Chance im wachsenden Interesse an Glaubensfragen. Die Leiter der anglikanischen Gemeinde Holy Trinity in West Bromwich berichten von einer Gemeinde mit rund 15 Nationalitäten. Bibeltexte werden dort regelmäßig auf Englisch, Punjabi und Farsi gelesen. „Unsere Identität liegt immer in Christus“, sagt Amanda Robbie. Für sie ist die örtliche Gemeinde ein Gegenmodell zu gesellschaftlicher Polarisierung: Menschen unterschiedlicher Herkunft lernen dort, einander als Glaubensgeschwister zu begegnen.
Der Bericht der Church of England betont ebenfalls, dass nationale Identität nicht exklusiv gedacht werden dürfe. Patriotismus könne positiv sein, solange er niemanden ausschließe. Die Kirche sei berufen, Brücken zwischen unterschiedlichen Gruppen zu bauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Christliche Hoffnung gründe sich letztlich nicht auf nationale Zugehörigkeit, sondern auf die Nachfolge Jesu Christi.







































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