Die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt gehört zu den Einrichtungen, die von der AfD im Bundesland ausdrücklich kritisiert wird. Für Akademiedirektor Christoph Meyer kommt das nicht überraschend. Die Akademie stehe für eine offene Gesellschaft, für Debatten und für den Austausch unterschiedlicher Meinungen. „Die Akademie eignet sich hervorragend als Symbol für alles das, wogegen die AfD kämpft“, sagte Meyer in der Deutschlandfunk-Sendung „Tag für Tag“.
Mit Sorge blickt Meyer auf die politische Stimmung im Land. Die von Jan Böhmermann als „letzte antifaschistische Hoffnung im Osten“ bezeichneten Kirchen verfügten zwar über gewachsene Strukturen und Räume für Begegnungen. Gleichzeitig seien Christen keineswegs geschlossen gegen die AfD. Auch in den Kirchen hätten viele Menschen die Partei gewählt. Deshalb könne niemand mehr selbstverständlich davon ausgehen, mit den eigenen Positionen die Mehrheit zu vertreten.
Streichung der Landesmittel wäre zu verkraften
Sollte die AfD ihre Ankündigung umsetzen und die Landesförderung für die Akademie streichen, wäre das nach Angaben Meyers verkraftbar. Die Einrichtung werde von ihren kirchlichen Trägern getragen und sei deshalb finanziell stabil. Härter treffen könnte eine solche Politik jedoch zahlreiche Vereine und Initiativen, die stärker von staatlicher Förderung abhängen. Die breite zivilgesellschaftliche Landschaft Sachsen-Anhalts dürfe nicht unsichtbar werden, fordert Meyer.
Kritisch äußert sich Meyer über seine Erfahrungen mit Anhängern der AfD. Teilweise erinnerten ihn diese Begegnungen an „ein Gespräch mit Zeugen Jehovas“, an eine weltanschauliche Mission. Während die Partei von Dialog spreche, erlebe er häufig geschlossene Denkmuster und feststehende Wahrheiten. „Da hatte ich dann eher das Gefühl, in einer Missionsveranstaltung zu sitzen und einem Heilsbringer zuzuhören, als dass dort auf Dialog gesetzt wurde“, sagte Meyer.
Viele Menschen verbänden mit Politik inzwischen Heilsvorstellungen, die früher eher religiösen Zusammenhängen zugeschrieben wurden. „Nicht die Kirche ist zu politisch geworden, sondern die Politik zu religiös.“ Persönliche Glaubwürdigkeit und Vertrauen würden dabei oftmals wichtiger als Fakten oder die Umsetzbarkeit politischer Versprechen. Meyer beobachtet in Teilen der Gesellschaft „ein geschlossenes Weltbild“, bei dem politische Überzeugungen zunehmend wie Glaubensgewissheiten behandelt würden. Für ihn ist das eine gefährliche Entwicklung, weil politische Debatten dadurch stärker von Weltanschauungen als von überprüfbaren Argumenten geprägt werden.







































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