Das Grazer Start-up „Lebensstimmen“ will mithilfe künstlicher Intelligenz persönliche Trauerreden und Abschiedsbotschaften für Beisetzungen ermöglichen. Darüber berichten unter anderem Leadersnet und die österreichische Tageszeitung Der Standard. Nutzer können zu Lebzeiten Texte, Bilder, Musik und Sprachaufnahmen hinterlegen, aus denen später digitale Botschaften für Trauerfeiern erstellt werden.
Nach Angaben des Unternehmens sollen Menschen selbst bestimmen können, mit welchen Worten sie einmal verabschiedet werden. Neben persönlichen Videobotschaften bietet die Plattform auch digitale Trauerredner an. Ziel sei es, Angehörige in einer emotional belastenden Situation zu entlasten und individuelle Wünsche der Verstorbenen sichtbar zu machen.
Prominenter katholischer Unterstützer
Für Aufmerksamkeit sorgt die Beteiligung des Wiener Dompfarrers Toni Faber, der dem Projekt als digitaler Avatar zur Verfügung steht. Wer möchte, kann seine Abschiedsrede von einem KI-Abbild des Geistlichen vortragen lassen. Faber betont zugleich, dass jede mit seinem Avatar erstellte Rede von ihm persönlich freigegeben werden müsse.
KI ja, Deepfakes nein
Die Gründer weisen den Vorwurf zurück, Verstorbene digital wiederauferstehen zu lassen. Das Angebot richte sich ausschließlich an Menschen, die zu Lebzeiten in die Nutzung ihrer Daten einwilligen. Alle Inhalte würden als KI-generiert gekennzeichnet und nach Unternehmensangaben DSGVO-konform verarbeitet. Das Start-up verstehe die Technologie ausdrücklich als Ergänzung zu traditionellen Trauerfeiern, nicht als deren Ersatz.
Erster KI-Mönch
In Südkorea hatte im Frühjahr ein buddhistischer Orden einen KI-Mönch geweiht und damit eine kontroverse Debatte ausgelöst. Der Roboter namens Gabi legte ein Gelübde ab. Er soll junge Menschen für den Tempel interessieren und zugleich Entwickler von Künstlicher Intelligenz an buddhistische Werte wie Mitgefühl, Weisheit und Verantwortung erinnern. Die Religionsanthropologin Beth Singler von der Universität Zürich äußerte Zweifel am Sinn solcher Eide: „Menschen haben ein Gewissen, ethische Standards, die dazu führen, dass sie sich an einen Eid halten.“ Bei KI sei unklar, ob sie solche Grundsätze überhaupt „verstehen“ könne.
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