Der evangelische Pfarrer Justus Geilhufe war zu Gast im Podcast des Influencers und politischen Aktivisten Marcant, dessen bürgerlicher Name Marc Keller ist. In der Folge sprechen sie vor allem über Glaube, Kirche und Politik.
Der 36-jährige Geilhufe ist Sohn eines DDR-Pfarrers und seit fünf Jahren Gemeindepfarrer in einer Region Mittelsachsens. Er stellt sich im Gespräch als jemand vor, der im „Auge des Sturms“ gesellschaftlicher Umbrüche arbeitet, und genau daraus entwickelt sich die Folge.
Gemeinschaft statt Kirchenmitgliedschaft
Ein prägendes Erlebnis aus Geilhufes Kindheit war eine Gemeinde, die jährlich Menschen mit Behinderungen aus einem christlichen Heim zu einem Wochenende einlud. Gottesdienst, gemeinsames Mittagessen und Nachmittagsprogramm machten für ihn erstmals sichtbar, was Glaube praktisch bedeutet.
Heute, so Geilhufe, seien in Ostdeutschland nur etwa zehn Prozent der Menschen in der Kirche, im Westen liege der Anteil im Schnitt bei 40 bis 50 Prozent. Die Gemeinden seien deshalb zugleich sehr lebendig und sehr klein. Viele Aufgaben übernehmen Ehrenamtliche, da er selbst der Einzige sei, der bezahlt werde.
Als Erbe der DDR-Zeit beschreibt er eine stark nach innen gerichtete Gemeindearbeit: Die Erfahrung, dass der Staat die Kirche loswerden wollte, wirke bis heute nach. Sein Ansatz ist deshalb ein „Kulturwandel“ hin zu einer Gemeinde, die nach außen wirkt.
Kein „christlicher Staat“
Im fast vierstündigen Gespräch kritisiert Geilhufe Menschen, die in Telegram-Kanälen die „ganze Wahrheit“ zu finden glauben und selten bereit seien, zu diskutieren. Die Idee eines christlichen Staates hält er für eine der schlimmsten, weil sie der Botschaft Jesu widerspreche.
Die Frage, ob Jesus Antifaschist gewesen wäre, verneint er: Solche Zuschreibungen funktionierten bei Gott nicht, auch wenn man daraus viele konkrete Verpflichtungen für das eigene Handeln ableiten könne.
Kirchenasyl unter Druck
Geilhufe hat nach eigenen Worten selbst schon Menschen im Kirchenasyl begleitet, also eine Familie in kirchlichen Räumen geschützt. Er sieht darin einen „heiligen Ort“, der sicher sein soll.
Im Gespräch wird zudem thematisiert, dass sich die AfD in Sachsen-Anhalt gegen diese Praxis ausspricht. Geilhufe warnt davor, dass in einer Regierung mit AfD-Beteiligung die Exekutive und bewaffnete Polizei auch in Kirchen kommen könnten.
Die Jesus-Frage
Auf die Frage, ob die AfD heute Jesus Christus abschieben würde, antwortet er, dass er solche Fragen nicht mag. Er wolle nicht mit einem „Gottesurteil“ über eine politische Partei hinwegziehen, weil das gefährlich sei. Dennoch sagt er: „höchstwahrscheinlich ja“. Zugleich warnt er davor, den Eindruck zu erwecken, Gottes Zorn falle auf bestimmte Menschen herab. Stattdessen wolle er mit Argumenten auf der Sachebene arbeiten.
Den Gedanken führt er weiter: Damals sei Jesus gekreuzigt worden, weil die Gesellschaft ihn als sündhaft ansah; heute würde er abgeschoben, für das, was er getan habe.




































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