Im Ort Taybeh (Westjordanland) wurden mehrere Fahrzeuge in Brand gesetzt und Hassparolen gesprüht. Es ist nicht der erste Angriff auf den Ort: Wenige Tage zuvor waren Siedler gewaltsam in Taybeh eingedrungen und hatten Vieh mitten in den Ort getrieben. Maskierte Männer, einige bewaffnet, andere zu Pferd, zogen durch die Straßen. Ein Feuer erreichte die Mauern der alten Kirche.
„Wir, die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem, bringen unsere tiefe Besorgnis und unsere unbeirrbare Verurteilung zum Ausdruck nach einem weiteren gewaltsamen Angriff auf den christlichen Ort Taybeh im Westjordanland“, heißt es in der Stellungnahme. Der Angriff sei „ein unmissverständlicher Akt der Einschüchterung, gerichtet gegen eine friedliche und gläubige Gemeinschaft, die im Land Christi verwurzelt ist“.
„Kein Einzelfall“
„Dieser schwerwiegende Vorfall ist kein Einzelfall“, schreiben die Kirchenoberhäupter. „Er ist Teil eines alarmierenden Musters von Siedlergewalt gegen Gemeinden im Westjordanland, gegen ihre Häuser, ihre heiligen Stätten und ihre Lebensweise.“ Die maskierten Männer hätten „Schrecken verbreitet und die Unverletzlichkeit des täglichen Lebens bedroht“.
Vorwürfe an Polizei und Siedlergruppen
Deutlich kritisieren die Kirchenoberhäupter die israelische Polizei: „Wir bedauern, dass offizielle Erklärungen der israelischen Polizei die Angelegenheit allein auf Sachbeschädigung reduziert und den größeren Zusammenhang systematischer Einschüchterung und Misshandlung ausgelassen haben.“ Diese Auslassungen „verzerren die Wahrheit“, heißt es in der Stellungnahme. Sie gingen nicht auf Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte ein, darunter das Recht auf Religionsfreiheit und den Schutz des kulturellen Erbes.
Die Kirchenoberhäupter werfen siedlernahen israelischen Gruppen außerdem eine Desinformationskampagne vor. Diese habe nach Besuchen von Diplomaten in Taybeh begonnen. „Anstatt sich mit den schweren Verstößen zu befassen, versuchen diese Darstellungen, die Opfer in Misskredit zu bringen und die Bedeutung internationaler Solidarität herabzusetzen“, schreiben sie. Solche Verzerrungen sollten von einer genauen Prüfung ablenken und kriminelles Verhalten beschönigen.
Taybeh, das biblische Ephraim, liegt östlich von Ramallah und gilt als die letzte mehrheitlich von Christen bewohnte Ortschaft im Westjordanland.
Priester beklagt „Klima der Angst"
Im März 2026 sprach Pfarrer Bashar Fawadleh gegenüber dem Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) von einer „zunehmenden Belastung“ für die rund 1.400 Einwohner seines Dorfes. Es fehle an Schutz, so der Geistliche.
Taybeh gilt als die letzte vollständig christliche Ortschaft im Westjordanland. Einst lebten dort bis zu 15.000 Menschen. Nach Angaben des Pfarrers sind die Bewohner seit Jahren Angriffen und Einschüchterungen durch israelische Siedler ausgesetzt. Dazu gehörten Brandstiftungen auf landwirtschaftliche Flächen, beschädigte Fahrzeuge und Mauern einer alten Kirche sowie Drohungen und Hassparolen. Die Bewohner seien schutzlos, beklagte Fawadleh. „Die Gewalt schafft ein Klima der Angst und Unsicherheit.“







































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