Der Sprecher der christlichen Kinderstiftung „DIE ARCHE“, Wolfgang Büscher, warnt in einer Pressemitteilung in Form eines persönlichen Beitrags vor wachsendem Antisemitismus in Berlin. Er kritisiert den Umgang von SPD, Grünen und Linken mit Antisemitismus im Zusammenhang mit möglichen Koalitionsverhandlungen nach der Abgeordnetenhauswahl im September 2026.
Büscher arbeitet seit fast 25 Jahren als Sprecher der Arche. Laut seinen Angaben haben in dieser Zeit rund 120.000 Kinder und Jugendliche die rund 40 deutschen Archen besucht. Täglich kämen heutzutage rund 6.000 Kinder mit Wurzeln in Syrien, Afghanistan, dem Irak, dem Libanon und den palästinensischen Gebieten in die Einrichtungen. Diese Zahl hat sich seit 2015 nach seiner Schilderung deutlich erhöht.
Antisemitismus „wieder salonfähig“
Büscher schreibt, ihn beunruhige der Hass auf Israel und auf Juden, der ihm bei einem Teil dieser Kinder und Jugendlichen begegne. Er betont, dies gelte nicht für alle, und stellt klar, dass er nicht von Kritik an der israelischen Regierung spreche.
Der Arche-Sprecher schreibt, dass der durch Zuwanderung verstärkter Antisemitismus dazu beigetragen habe, dass sich Menschen am linken und äußersten rechten Rand offener zu Hass auf Juden äußerten. Antisemitismus sei in Teilen der Gesellschaft „wieder salonfähig“ geworden.
Büscher kritisiert zudem den Satz „Wir schaffen das“ aus dem Jahr 2015 der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel als politisches Versprechen, dessen gesellschaftliche, soziale und finanzielle Folgen nicht ausreichend bedacht worden seien. Er wendet sich außerdem gegen Vorstellungen einer islamistischen Gesellschaft.
Büscher: Macht wichtiger als Haltung zum Antisemitismus?
Mit Blick auf Berlin stellt Büscher fest, dass die Linkspartei bei der Abgeordnetenhauswahl im September 2026 mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. SPD und Grüne verhandeln aktuell mit der Linkspartei über eine mögliche Regierung. Die drei Parteien einigten sich zunächst auf gemeinsame Grundsätze gegen Antisemitismus. Danach habe die Linksfraktion eine abweichende Erklärung verabschiedet, der wesentliche Punkte fehlten, so Büscher.
Er fordert eine ebenso klare Abgrenzung gegen linken Antisemitismus, wie sie gegenüber rechtem Antisemitismus gelte. Judenhass werde nicht harmloser, weil er aus einem als fortschrittlich verstandenen Milieu komme, und er werde nicht entschuldbar, weil er sich als Solidarität mit Palästina ausgebe. Wer Juden bedrohe oder Gewalt gegen sie rechtfertige, habe nach seiner Auffassung eine Grenze überschritten. Der Arche-Sprecher schreibt: „Ich frage mich, welchen Preis SPD und Grüne für eine Regierungsmehrheit zu zahlen bereit sind. Ist ihnen die Macht wichtiger als eine eindeutige Haltung gegen Antisemitismus?“
Aus der Geschichte gerlernt?
Jüdisches Leben in Deutschland muss sich frei entfallen können. Jüdische Familien sollten nicht überlegen müssen, ob ihre Kinder sicher zur Schule gehen könnten.
Büscher schreibt: „Berlin steht vor einer politischen Entscheidung. Für mich geht es dabei um weit mehr als die Frage, wer künftig im Roten Rathaus regiert. Es geht darum, ob wir aus unserer Geschichte tatsächlich etwas gelernt haben.“







































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