Ägyptische Sicherheitskräfte haben Anfang Oktober den koptischen Christen Sherif Wagih Fahmi in Alexandria festgenommen. Dies berichten der Nachrichtendienst Morning Star News und Coptic Solidarity. Der 41-jährige Ingenieur soll sich in Beiträgen auf Facebook kritisch über die islamische Unterweisung nichtmuslimischer Schüler geäußert haben. Der Vorwurf lautet „Verachtung des Islam“. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt, heißt es.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren die religiösen Unterrichtsinhalte an staatlichen ägyptischen Schulen. Zwar dürfen christliche Schüler offiziell auf islamischen Religionsunterricht verzichten, nach Berichten von Betroffenen werde diese Regelung jedoch häufig missachtet. Zudem enthielten Schulbücher teilweise Darstellungen, die Christen benachteiligten oder ihre Geschichte ausblendeten.
Vorwurf: „Missachtung des Islam“
Der Fall Fahmi reiht sich in andere Verfahren gegen Christen ein, die islamkritische Ansichten im Internet äußerten. So steht seit April der zum Christentum konvertierte Said Mansour Rezk Abdelrazek vor Gericht. Er hatte sich 2019 nach Russland abgesetzt und wurde 2023 dort wegen eines Videos verhaftet, das als islamfeindlich galt. 2024 wurde er nach Ägypten abgeschoben. Ihm werden unter anderem „Missachtung des Islam“ und die Verbreitung falscher Informationen vorgeworfen. Menschenrechtsgruppen sprechen dagegen von einer Bestrafung wegen seines Glaubenswechsels.
Für Aufsehen sorgte zuletzt auch die Festnahme von sechs jungen Kopten. Sie hatten am 4. Oktober in einem TikTok-Video eine Szene aus einer bekannten ägyptischen Filmkomödie nachgestellt, in der muslimische Gefangene nicht wissen, wie man betet. Sie wurden zwar mittlerweile aus der Haft entlassen, das Verfahren ist aber noch nicht abgeschlossen, heißt es.
Obwohl die Religionsfreiheit in Ägypten in der Verfassung verankert ist, genießen Muslime gesellschaftliche und staatliche Privilegien. Christen, insbesondere die rund zehn Millionen Kopten, berichten dagegen immer wieder von Benachteiligungen beim Zugang zu Ämtern, beim Kirchenbau oder im Bildungswesen. Menschen, die vom Islam zu einer anderen Religion wechseln, sehen sich zudem erheblichen rechtlichen und sozialen Hürden ausgesetzt. Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 von Open Doors belegt Ägypten Platz 42.




































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