Der Zentralrat der Konfessionsfreien wirbt für eine stärkere Verankerung gemeinsamer Wertebildung an Bayerns Schulen. Anlass ist eine Podiumsdiskussion am 10. November in München. Dort sollen unter anderem der Präventionsexperte Ahmad Mansour, BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann und Bayerns FDP-Landesvorsitzender Matthias Fischbach über die Zukunft des Religions- und Ethikunterrichts sprechen.
Bekenntnisfreie Schulen als Alternative
Im Mittelpunkt steht die Idee sogenannter bekenntnisfreier Schulen. Dabei handelt es sich um staatliche Schulen, an denen Religionsunterricht nicht als ordentliches Lehrfach angeboten werden muss – so die Interpretation des Zentralrats. Stattdessen würden alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam ethische, philosophische und religionskundliche Fragen behandeln. Der Zentralrat der Konfessionsfreien regt an, dass Schulen selbst über einen Wechsel zu diesem Modell entscheiden können. Grundlage dafür ist Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes, der für bekenntnisfreie Schulen ausdrücklich Ausnahmen vom regulären Religionsunterricht vorsieht.
Schulfach Ethik gewinnt an Bedeutung
Auslöser der Debatte ist die zunehmende weltanschauliche Vielfalt an Bayerns Schulen. Immer mehr Kinder wählen statt Religion das Fach Ethik. Gleichzeitig werden die Lerngruppen im konfessionellen Religionsunterricht kleiner. Befürworter eines gemeinsamen Wertefachs argumentieren, Kinder verschiedener Religionen und Weltanschauungen könnten auf diese Weise miteinander statt nebeneinander lernen. Kritiker halten dagegen, dass religiöse Bildung einen eigenständigen Wert habe und nicht in einem allgemeinen Ethikunterricht aufgehen dürfe.
Religionsunterricht mit „erweiterter Kooperation“
Oft wird in diesem Zusammenhang auf das bayerische Modell RUmeK verwiesen. Die Abkürzung steht für „Religionsunterricht mit erweiterter Kooperation“. Dort werden katholische und evangelische Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet, wenn für eine Konfession keine eigene Gruppe zustande kommt. RUmeK ist jedoch kein gemeinsamer Ethikunterricht und auch kein religionsübergreifendes Wertefach. Vielmehr bleibt es christlicher Religionsunterricht. Nach Angaben des Sonntagsblatts, das sich auf Zahlen des Kultusministeriums beruft, nahmen im Schuljahr 2025/26 rund 42.380 Schülerinnen und Schüler in 2.287 Gruppen daran teil. Seit 2025 kann das Modell in Grund- und Mittelschulen dauerhaft angeboten werden.
Ein Blick in andere Bundesländer
In den meisten Bundesländern gilt Religionsunterricht weiterhin als ordentliches Schulfach. Ethik, Praktische Philosophie oder vergleichbare Angebote dienen dort als Alternative für Schülerinnen und Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Zu dieser Gruppe gehören neben Bayern unter anderem Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen. In Nordrhein-Westfalen heißt das Ersatzfach in der Sekundarstufe I „Praktische Philosophie“, in Schleswig-Holstein Philosophie, in Mecklenburg-Vorpommern „Philosophieren mit Kindern“ beziehungsweise Philosophie.
Andere Länder haben sich für deutlich weitergehende Modelle entschieden. In Berlin ist Ethik von der 7. bis zur 10. Klasse ein Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler. Religions- oder Weltanschauungsunterricht kann zusätzlich freiwillig besucht werden. Brandenburg verfolgt mit dem Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) einen ähnlichen Ansatz. Dort ist das Fach für alle verpflichtend, während Religionsunterricht oder humanistische Lebenskunde freiwillige Zusatzangebote bleiben. Eltern können ihr Kind von LER befreien lassen, wenn es stattdessen Religionsunterricht besucht.
Einen Sonderweg geht Hamburg. Dort gibt es den freiwilligen „Religionsunterricht für alle“, der interreligiös ausgerichtet ist und Schülerinnen und Schüler verschiedener Glaubensrichtungen gemeinsam behandelt. In den Jahrgangsstufen 1 bis 6 gibt es jedoch kein Ethik-Alternativfach. Niedersachsen wiederum führt seit dem Schuljahr 2026/27 schrittweise das Fach „Christliche Religion“ ein, das von evangelischer und katholischer Kirche gemeinsam verantwortet wird. Wer nicht teilnimmt, besucht das Fach „Werte und Normen“. Die unterschiedlichen Modelle zeigen, dass die Bundesländer sehr verschiedene Antworten auf die Frage suchen, wie religiöse Bildung und gemeinsame Wertevermittlung in einer pluralen Gesellschaft gestaltet werden können.








































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