Nach Jahren sinkender Religiosität zeichnet sich in den USA eine Phase der Stabilisierung ab. Das berichtet das Forschungsinstitut Pew Research Center in einer umfassenden Analyse zur religiösen Entwicklung des Landes. Die wichtigsten Indikatoren wie Religionszugehörigkeit, Gebetspraxis und Gottesdienstbesuch haben sich demnach seit 2020 kaum verändert. Gleichzeitig liefern die Daten Hinweise darauf, dass die jüngste Generation von Erwachsenen anders auf Religion reagiert als viele Beobachter erwartet hatten.
Gottesdienstbesuche nehmen zu
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Gottesdienstbesuch. Im Juni 2026 erklärten 34 Prozent der befragten Erwachsenen, innerhalb des vergangenen Monats einen Gottesdienst besucht zu haben. Werden digitale Angebote über Fernsehen oder Internet einbezogen, steigt dieser Anteil auf 45 Prozent. Beide Werte markieren den höchsten Stand seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020. Die Forscher sehen darin jedoch keinen Beweis für eine religiöse Erweckung, sondern zunächst vor allem eine Stabilisierung nach Jahren des Rückgangs.
Junge Generation: widersprüchliche Entwicklung
Für besondere Aufmerksamkeit sorgt der Blick auf junge Erwachsene. Die 18- bis 22-Jährigen besuchen demnach deutlich häufiger Gottesdienste als der Durchschnitt der Bevölkerung. 41 Prozent von ihnen geben an, mindestens einmal oder zweimal pro Monat einen Gottesdienst zu besuchen. Anders fällt das Ergebnis bei den 23- bis 26-Jährigen aus. Diese Altersgruppe gehört laut Pew zu den religiös distanziertesten überhaupt. Sie betet seltener, hält Religion für weniger wichtig und identifiziert sich seltener mit einer Glaubensgemeinschaft. Die Forscher sprechen in Bezug auf die junge Generation deshalb von „gemischten Signalen“, die eine eindeutige Interpretation erschweren.
Junge Männer überraschen die Forscher
Unerwartet ist die Entwicklung beim Verhältnis von Männern und Frauen. Jahrzehntelang galten Frauen in den USA als die religiösere Bevölkerungsgruppe. In den aktuellen Daten besuchen jedoch junge Männer häufiger Gottesdienste als junge Frauen. Einen solchen Befund habe Pew in früheren Untersuchungen nicht festgestellt, heißt es. Gleichzeitig weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass auch junge Frauen überdurchschnittlich oft Gottesdienste besuchen. Insgesamt deute vieles darauf hin, dass sich der traditionelle Unterschied zwischen Männern und Frauen in religiösen Fragen zunehmend verkleinere.
Politik erklärt den Trend nur teilweise
In Debatten wird ein mögliches „religiöses Comeback“ häufig auf konservative junge Männer oder auf Anhänger der Republikanischen Partei zurückgeführt. Die Pew-Daten zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Zwar besuchen junge Republikaner häufiger Gottesdienste als ihre demokratischen Altersgenossen. Gleichzeitig liegt die Gottesdienstbeteiligung auch unter jungen Demokraten über der vieler älterer Parteifreunde. Die erhöhte religiöse Aktivität der jüngsten Erwachsenen kann deshalb nicht allein durch politische Überzeugungen erklärt werden. Vielmehr scheint es sich um ein breiteres gesellschaftliches Phänomen zu handeln, so die Forschenden.
Trendwende oder Momentaufnahme?
Die Autoren der Studie warnen ausdrücklich davor, die Ergebnisse vorschnell als Beginn einer religiösen Renaissance zu deuten. Zum einen seien die untersuchten Gruppen junger Erwachsener vergleichsweise klein, wodurch statistische Unsicherheiten entstehen. Zum anderen könnten Nachwirkungen der Corona-Pandemie eine Rolle spielen. Frühere Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass junge Menschen beim Eintritt ins Erwachsenenalter wiederholt Phasen erhöhter Religiosität durchlaufen, die später wieder abnehmen. Ob die heutige Generation einen langfristigen Wandel einleitet oder lediglich einem bekannten Muster folgt, werde sich erst mit weiteren Daten in den kommenden Jahren zeigen.
>>> zur Studie (Englisch)







































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