Laut einer aktuellen Umfrage des Politikmagazins EenVandaag wünschen sich 64 Prozent der Niederländerinnen und Niederländer, dass künftig nur noch öffentliche Schulen mit Steuergeldern finanziert werden, nicht jedoch konfessionelle und weltanschaulich geprägte Schulen in freier Trägerschaft. Dazu zählen unter anderem christliche, jüdische und islamische Schulen, aber auch Schulen mit besonderem pädagogischem Profil wie Montessori-, Dalton- oder Waldorfschulen.
Bildungsfreiheit durch Verfassung geschützt
Diese Schulen des sogenannten ‚besonderen Bildungswesens‘ (niederländisch: bijzonder onderwijs) werden unter bestimmten Voraussetzungen ebenso staatlich finanziert wie öffentliche Schulen. Die niederländische Bildungsfreiheit ist in Artikel 23 der Verfassung verankert. Sie schützt das Recht, Schulen auf Grundlage einer religiösen oder weltanschaulichen Überzeugung zu gründen. Seit dem Ende des sogenannten 'Schulstreits' im Jahr 1917 werden öffentliche und konfessionelle Schulen grundsätzlich gleich finanziert.
Die aktuelle Umfrage veranschaulicht jedoch, dass diese Regelung gesellschaftlich zunehmend infrage gestellt wird. 56 Prozent der Befragten bewerten es negativ, dass Schulen auf einer religiösen oder weltanschaulichen Grundlage arbeiten können. Nur 26 Prozent wollen die bisherige Finanzierung beibehalten. Kritiker der Schulen in freier Trägerschaft befürchten, dass Kinder verschiedener Bevölkerungsgruppen zu wenig miteinander in Kontakt kommen. Tatsächlich besucht die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler in den Niederlanden solche Schulen.
Streit um Grundschule
Der Konflikt um eine neue reformatorische Grundschule in dem Dorf Wekerom (Provinz Gelderland) zeigt, wie kontrovers das Thema aktuell diskutiert wird. Die dort geplante zweite Grundschule könnte nach Meinung einer Bürgerinitiative bestehende Unterschiede innerhalb der Dorfgemeinschaft vertiefen. Der Schulträger verweist dagegen auf steigende Schülerzahlen und den Wunsch vieler Eltern nach einer Schule mit christlichem Profil in Wohnortnähe.
Das Bildungsministerium in Den Haag hatte im Frühjahr 2024 seine Zustimmung für die Neugründung gegeben. Langfristig soll ein eigenes Schulgebäude in Wekerom entstehen. Voraussetzung für den dauerhaften Bestand sind ausreichend Schüler. Innerhalb von zehn Jahren muss die Schule die Marke von 200 Kindern erreichen.
Für die Umfrage befragte Een Vandaag nach eigenen Angaben über 19.000 Personen seines Meinungs-Panels.





































siteReplies.discuss