Lasst uns aufeinander achten! Wir wollen uns zu gegenseitiger Liebe ermutigen und einander anspornen, Gutes zu tun.
Hebräer 10,24
Kennen Sie dieses Gefühl der Unzufriedenheit, wenn am Ende des Tages noch so viele Punkte auf der To-do-Liste unerledigt sind? Mir passiert das öfter. Dann ärgere ich mich über mich selbst und frage mich, was ich hätte anders machen können. Durch all diese Gedanken wird die Liste allerdings nicht kürzer. Wie unzufrieden ich bin, hängt auch davon ab, wie oft ich die zu erledigenden Dinge in der Vergangenheit bereits verschoben habe. Der Tag bräuchte einfach mehr Stunden, denke ich dann. Selbst wenn das möglich wäre, würde ich diese Stunden sicher auch füllen. Locker.
Neulich ging es mir an einem Samstag wieder einmal so: Nach einer vollen Arbeitswoche erwarteten mich Berge an unerledigter Hausarbeit und die Liste war lang. Daneben hatte ich einige Ideen, was ich noch alles gerne machen würde. Dabei hatte ich mir eigentlich vorgenommen, am Wochenende meine Schwiegermutter zu besuchen, die vor wenigen Wochen in ein Seniorenheim gezogen war. Leider lag ihr neues Zuhause nicht gerade um die Ecke. Das passt heute wirklich nicht, überlegte ich. Und fragte mich, ob ich den Besuch nicht verschieben sollte. Was könnte ich in der Zeit alles schaffen! Wäre es nicht besser, erst die Arbeit zu erledigen? Dann wäre ich ruhiger und könnte den Besuch mehr genießen. Ich war hin- und hergerissen.
Am Ende setzte sich der Gedanke durch, wie sehr sie sich über Besuch freuen würde. Ich fuhr also hin – und erlebte einen sehr schönen Vormittag. Wir machten mit dem Rollator einen Spaziergang in der Sonne und führten gute Gespräche neben einem beruhigend plätschernden Springbrunnen. Sie erzählte von ihrem neuen Alltag und von den Menschen im Heim. Ich bewunderte sie dafür, wie tapfer sie diesen gravierenden Einschnitt in ihrem Leben meisterte. Und während ich ihr zuhörte, kam ich zur Ruhe – vielleicht zum ersten Mal in dieser Woche. Als ich nach Hause zurückkehrte, lag meine Liste auf dem Tisch. Immer noch unerledigt. Aber sie stresste mich nicht mehr so. Die Dinge hatten ihre Wichtigkeit verloren.
Da fiel mir ein, was ich vor einiger Zeit gelesen hatte: Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass Menschen, die Zeit an andere verschenken, das Gefühl haben, selbst mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Bei einem Experiment wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe durfte an einem Tag zehn Minuten Pause machen. Die andere Gruppe sollte dreißig Minuten lang jemandem helfen und hatte keine Pause. Das erstaunliche Ergebnis: Die zweite Gruppe fühlte sich hinterher weniger gestresst als die Gruppe, die zehn Minuten Ruhe gehabt hatte. Offenbar bringt uns Zeit, die wir anderen geben, Entspannung und Befriedigung. Und dann verliert die To-do-Liste ihre Macht – zumindest zeitweise.







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