Als sie nicht aufhörten zu fragen, richtete er sich auf und sagte
zu ihnen: »Wer von euch noch nie eine Sünde begangen hat,
soll den ersten Stein auf sie werfen.« Dann bückte er sich
wieder und schrieb auf die Erde. Als sie das hörten, zog sich
einer nach dem andern zurück.
Johannes 8,7-9 (gnb)
Eine Gruppe Schriftgelehrter und Pharisäer ertappt eine Frau beim Ehebruch und führt sie zu Jesus. Die Männer wollen wissen, wie Jesus darauf reagiert. Drei Dinge scheinen mir wichtig:
Wir stehen alle unter Anklage. Alle Ankläger müssen erkennen, dass auch sie nicht ohne Sünde sind. Es geht also nicht nur um die Art der Sünde, d. h., die Schwere des Verbrechens, oder um die Menge der Sünden, d. h. die Häufigkeit eines Vergehens. Für Christus ist allein entscheidend, ob jemand gesündigt hat oder nicht. Keiner ist sündlos.
Wir brauchen alle die Gnade der Vergebung. So sitzen alle im selben Boot: die Ankläger, die Sünderin und wir, die stillen Beobachter der Szene. Wir alle merken, dass wir schuldig sind. Wir alle wissen, dass wir Vergebung brauchen, die Abwendung des Urteilsspruches. Das geschieht allein aus Gnade. Kann man dann überhaupt jemanden richten?
In jeder Anklage liegt Selbstanklage. Ein Richter muss durchaus Urteile fällen. Doch sollte er das im klaren Bewusstsein seiner eigenen Unzulänglichkeit und Schuld tun. Luther schreibt: »Ein frommer Richter fällt mit Schmerzen ein Urteil über den Schuldigen.« Ein frommer Richter begegnet dem anderen auch als Christ, und das erweist sich zwar nicht in dem Verzicht auf die Härte der Strafe, aber
in dem Leiden darunter, dass er strafen muss, in dem Kummer über das, was der andere jetzt zu leiden hat.







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