Rebekka und David Weber ziehen Parallelen vom Turmbau zu Babel zu dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Die beiden Studierenden an der FeG Theologischen Hochschule bewundern die gottgeschenkte Begabung des Menschen zu Kreativität und Fortschritt. Dabei fokussieren sie sich auf die Herzenshaltung im Gebrauch der neuen Technologie. Künstliche Intelligenz (KI) ist längst keine ferne Zukunftsvision mehr. Sie verfasst Texte, komponiert Musik, stellt medizinische Diagnosen und vieles mehr. KI öffnet Türen zu ungeahnten Möglichkeiten. Für manche klingt das faszinierend, für andere eher beunruhigend.
Und wenn KI im Gemeindealltag eingesetzt wird, drängen sich ganz neue Fragen auf: Wie können wir als Christinnen und Christen verantwortungsvoll mit dieser Technologie umgehen? Und wo verläuft die Grenze zwischen hilfreichem Werkzeug und gefährlichem Götzen?
Fortschritt versus göttliche Ordnung?
Um diesen Fragen nachzugehen, werfen wir in dieser Bibelarbeit einen Blick auf eine bekannte Erzählung, in der ebenfalls ein Spannungsfeld zwischen menschlichem Fortschritt und göttlicher Ordnung deutlich wird: Der Turmbau zu Babel (1. Mose 11).
Diese Geschichte lädt uns dazu ein, auch unseren Umgang mit technischen Möglichkeiten wie KI zu reflektieren: Wo nutzen wir Technik im Dienst des Guten und wo beginnt ein neuer Turmbau aus Stolz? Auf den ersten Blick scheint die Geschichte ein warnendes Beispiel für menschlichen Größenwahn zu sein, doch bei genauerem Hinsehen eröffnet sie einen überraschend differenzierten Zugang.
Innovation ist Teil von Gottes Schöpfung
Die Geschichte vom Turmbau zu Babel zeigt, dass die Menschen schon früh über wachsende Fähigkeiten verfügten. In Vers 3 steht: „Kommt! Lasst uns Lehmziegel formen und brennen!“ (BasisBibel: Altes und Neues Testament (2021). Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft | BB).
Dass Ziegel gebrannt wurden, ist für die Zeit eine neuere und technisch aufwendigere Methode, um Ziegel herzustellen. Der einfache Weg war, die Ziegel in der Sonne trocknen zu lassen. Die gebrannten Ziegel waren die technologische Innovation dieser Zeit. Und wie die Geschichte des Turmbaus zeigt, greift Gott erst ein, als das Volk den Turm baute, um sich „einen Namen [zu] machen“ (V. 4 | BB). Die Technik selbst wird nicht verurteilt, sondern ihre selbstbezogene Zielsetzung.
Geschenkte Begabungen nutzen
Übertragen wir das auf die KI, erkennen wir, dass sie weder gut noch böse ist. Wie die gebrannten Ziegel eröffnet KI neue Möglichkeiten. KI hat, so wie jeder technische Fortschritt, Gefahren und kann zu Machtmissbrauch führen. KI kann aber auch im medizinischen Bereich bei der Diagnostik helfen und dadurch Menschenleben retten und Ressourcen effizienter nutzen. Künstliche Intelligenz kann auch dazu beitragen, dass das Evangelium mehr Menschen zugänglich wird, zum Beispiel durch das schnellere Erstellen von Bibelübersetzungen in neue Sprachen.
Technik und technischer Fortschritt sind nicht falsch, sondern von Gott geschenkte Begabung. Wir Menschen können forschen, entwickeln und gestalten. Doch es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Sie kann zum Wohle aller genutzt oder zur Gefahr werden, wenn sie für falsche Ziele eingesetzt wird.
Hilfreiches Werkzeug oder Götze?
Das lesen wir auch in der Erzählung vom Turmbau zu Babel: Nicht die technische Leistung der Menschen steht in der Kritik, sondern die Herzenshaltung. Es heißt: „Los! Lasst uns eine Stadt mit einem Turm bauen! Seine Spitze soll in den Himmel ragen. Wir wollen uns einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.“ (V. 4 | BB)
Der Bau eines Turms an sich ist hier nicht das eigentliche Problem. Im Gegenteil: Schaffen, Gestalten, Entwickeln und auch Bauen gehört zum Auftrag, den Gott den Menschen gegeben hat (1. Mose 1,28: „Bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz“ | BB).
Die eigentliche Gefahr liegt in der Herzenshaltung der Menschen. Die Menschen bauen den Turm, um selbst groß zu werden und um sich einen Namen zu machen. Sie wollen Ruhm erlangen, Gott gleich werden und eigene Sicherheiten aufbauen. Der Turm wird zum Symbol menschlicher Selbstüberhöhung.
Die Herzenshaltung ist entscheidend
Auch die KI ist erstmal nur ein Medium. Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir KI nutzen, sondern wozu und wie wir sie nutzen. Diene ich damit Gott? Baue ich sein Reich und verkündige ich das Evangelium? Bewahre ich die Schöpfung Gottes? Wenn dem so ist, dann kann KI ein Ausdruck der schöpferischen und kreativen Kraft sein, die Gott uns geschenkt hat.
Nutzen wir KI jedoch als Mittel zur Kontrolle, zur Darstellung des eigenen Egos oder für die eigene Macht, dann besteht die Gefahr, dass wir einen neuen Turm zu Babel bauen.
Entscheidend ist also nicht das Medium an sich, sondern die innere Haltung des Menschen. KI kann ein Segen für die Gemeinde sein, wenn wir sie mit Demut, Weisheit und im Dienst an unseren Nächsten einsetzen. Die Grenze verläuft dabei nicht durch den Algorithmus, sondern durch das menschliche Herz.
Reich Gottes bauen – mit allen Mitteln
Technologische Entwicklungen sind nicht per se gefährlich, das zeigt auch die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Für Gott ist nicht die Technik und der Fortschritt das Problem, sondern die innere Haltung der Menschen, ihr Hochmut und das Streben nach Unabhängigkeit. Diese Unterscheidung ist auch im Umgang mit KI essenziell. So ist KI weder ein Götze noch der neue Heilsbringer. Es ist und bleibt ein Werkzeug, welches klug und verantwortungsvoll eingesetzt werden muss.
Die Angst vor künstlicher Intelligenz entsteht häufig in der Unwissenheit. Was kann KI? Wie kann sie mir helfen? Was sind die Gefahren und Risiken? Als Christinnen und Christen können wir dieser Unsicherheit entgegenwirken, indem wir uns mit der Technologie auseinandersetzen, mit ihren Möglichkeiten und Gefahren. Dann können wir KI verantwortungsvoll nutzen, um Reich Gottes zu bauen.
Chancen verantwortungsvoll nutzen
Denn am Ende bleibt unser Auftrag immer derselbe: Gott und unseren Nächsten zu lieben und das Evangelium in Wort und Tat zu bezeugen. Und das mit den Mitteln, die wir heute zur Verfügung haben. Und womöglich kann KI dazu beitragen, dass Gottes Wort Menschen erreicht, die wir sonst nie erreicht hätten. Habe also den Mut, die Möglichkeiten von KI zu erkennen und verantwortungsvoll für das Reich Gottes zu nutzen.
Rebekka und David Weber sind Studierende der Theologischen Hochschule Ewersbach.
Der Turmbau zu Babel | 1. Mose 11,1–9
Damals sprachen alle Menschen auf der ganzen Welt die gleiche Sprache. Als die Menschen nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Land Babel. Dort ließen sie sich nieder und sagten zueinander: „Lasst uns Ziegel formen und sie brennen! Die Ziegel verwendeten sie als Mauersteine und den Asphalt als Mörtel.“ „Auf“, sagten sie, „wir wollen eine Stadt errichten mit einem Turm, der bis in den Himmel reicht – ein Denkmal unserer Erhabenheit! Es wird verhindern, dass wir uns über die ganze Welt zerstreuen.“
Der HERR aber kam aus dem Himmel herab, um sich die Stadt und den Turm anzusehen, den sie erbauten. „Sieh, was sie begonnen haben zu bauen. Weil sie dieselbe Sprache sprechen und ein Volk sind, wird ihnen nichts unmöglich sein, was sie sich vornehmen! Kommt, wir steigen hinab und geben ihnen verschiedene Sprachen. Dann werden sie sich nicht mehr verständigen können.“
Auf diese Weise zerstreute der HERR die Menschen über die ganze Erde und sie konnten den Bau der Stadt nicht beenden. Deshalb wurde die Stadt Babel genannt, weil der HERR dort die Sprache der Menschen verwirrte und sie so über die ganze Erde zerstreute.







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