Tagesschau: Berichte über 33 Brandanschläge auf Kirchen lassen sich nicht belegen

Steinkreuz im Feuer
Foto: Getty Images / Astrid860

Die im Internet verbreitete Zahl von 33 angezündeten Kirchen in Deutschland im Jahr 2024 lässt sich laut einer Recherche der Tagesschau nicht belegen. Ein christliches Werk widerspricht und wertet den Bericht als „Verharmlosung“.

 

In Deutschland sollen im Jahr 2024 Brandanschläge auf 33 Kirchen verübt worden sein. Diese Nachricht wird in den Sozialen Netzwerken in teils reißerischer Form immer wieder geteilt. Das Recherche-Format „rabbit hole“ der Tagesschau hat die Zahlen untersucht. Das Ergebnis: Die kolportierte Zahl von 33 Kirchenbränden lasse sich nicht belegen. Bei den meisten Vorfällen handelte es sich demnach um Sachbeschädigungen geringen Ausmaßes.

Die Behauptungen über 33 angezündete Kirchen stammten aus dem „OIDAC Europe Report 2025". Die Wiener NGO „Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa" sammelt diese Daten. Die Tagesschau prüfte nach eigenen Angaben jeden einzelnen Fall durch Anfragen bei den zuständigen Polizeidienststellen und Staatsanwaltschaften. Die Recherchen hätten ergeben, dass es sich häufig um Sachbeschädigungen durch Brandlegung handelte. Der Schaden war oft gering. Ein Vorfall in Bruckmühl in Bayern verursachte beispielsweise nur 5 Euro Sachschaden.

Kein christenfeindliches Motiv erkennbar

Keine der 27 antwortenden Polizeidienststellen stellte zudem ein christenfeindliches Motiv fest. Deshalb flossen diese Vorfälle nicht als politisch motivierte Straftaten in die polizeiliche Statistik ein. Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte für 2024 keine politisch motivierten Brandstiftungen an Kirchen. Zum Vergleich: 2021 gab es fünf solcher Fälle, 2022 zwei und 2023 keine.

Nader Hotait vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung kommentierte: „Tatsächlich überrascht es mich nicht, wenn brennende Kirchen als vermeintliche Taten von muslimischen Extremisten dargestellt werden." Er vermutet, dieses Narrativ solle Angst erzeugen und politischen Handlungsdruck aufbauen.

Im Internet wurden die OIDAC-Zahlen dazu genutzt, Muslime als systematische Brandstifter darzustellen. Die Tagesschau stellte bei ihren Recherchen jedoch fest, dass ermittelte Täter häufig Kinder und Jugendliche waren. Die Polizei erfasst die Religion der Täter nicht.

Die Bundesregierung antwortete 2024 auf eine Anfrage der AfD, die sich auf OIDAC-Zahlen bezog: „Aus Sicht der Bundesregierung lässt sich keine erhöhte Gefährdung für Christen oder christliche Einrichtungen in Deutschland ableiten."

OIDAC-Direktorin widerspricht

Die OIDAC-Direktorin Anja Tang erklärte in einer Stellungnahme, die Analyse der Tagesschau weise ein „klares Framing“ auf, bei dem nur jene Fakten erwähnt würden, die ins Bild passten. Weltweite, europäische und deutsche Ebene würden vermischt, wodurch „zahlreiche dramatische Fälle verharmlost werden“. Wesentliche Informationen würden teilweise fehlen, Angriffe auf Kirchen pauschal heruntergespielt. „Wenn in einer Kirche eine Bibel auf einem Altar angezündet wird, sollte die Frage nicht sein, weshalb OIDAC diese Fälle registriert, sondern weshalb die deutschen Behörden sie nicht registrieren und wieso die Tagesschau sie herunterspielt“, schreibt Tang.

OIDAC Europe erfasse christenfeindliche Vorfälle auf Basis der OSZE-Hate Crime Methodik, die mutwillige Angriffe auf Kirchen, Moscheen, Synagogen und andere religiöse Gebäude aufgrund des Symbolcharakters von Religionsstätten als "Bias Indicator“ ("Indikator für ein Vorurteilsmotiv“) wertet. Die Tagesschau erwähne jedoch die OSZE-Methodik bzw. Statiistik nicht. „Was auch nicht erwähnt wird, ist unsere sachliche Kritik an der Erfassungsmethodik des BKA, die sich allein auf politische Motive bezieht und dabei andere relevante Motive übersieht“, kritisiert Tang. Ebenso fehle ein Hinweis, dass das BKA zwischen 2022 und 2023 einen Anstieg von politisch-motivierten christenfeindlichen Straftaten von über 100 Prozent verzeichnet habe (Statistik). Tang ergänzt: „Obwohl unsere Organisation seit über einem Jahrzehnt einer der offiziellen Contributor [Beitragenden] zum OSZE-Hate Crime Report ist und eng mit der Institution zusammenarbeitet, wird sie im Bericht als 'selbsternannte' Beobachtungsstelle geframt“.

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