Streit um den Esslinger Teufel

Skulptur Esslinger Teufel
Foto: Stadt Esslingen

Die Teufelsstatue auf dem Esslinger Rathausplatz polarisiert. Theologen der Württembergischen Kirche sehen darin jedoch weder eine Gefahr für den christlichen Glauben noch eine Förderung satanistischer Vorstellungen.

Am 4. Oktober wurde die Skulptur „Zwieblinger Teufel“ des Künstlers Tim Bengel auf dem Esslinger Rathausplatz feierlich enthüllt. Seitdem reißen die Diskussionen um die Bronzestatue nicht ab und beschäftigen Öffentlichkeit, Politik und Kirchen gleichermaßen. Am vergangenen Wochenende besprühten Unbekannte teile der Skulptur mit schwarzer Farbe.

Die Statue ist ein Geschenk einer Sektkellerei anlässlich des 1250-jährigen Stadtjubiläums und greift die „Zwieblinger“-Sage auf. Kritiker warnen vor einer problematischen Symbolwirkung. Theologen geben Entwarnung. Sie sehen in der Statue vor allem einen Anlass, über das christliche Verständnis des Bösen nachzudenken.

Teufel weckt Emotionen

Die Diskussion zeige, wie stark die Figur des Teufels bis heute Emotionen wecken kann, heißt es in einer Pressemitteilung der Württembergischen Landeskirche. Die Skulptur sei jedoch weder eine Bedrohung des christlichen Glaubens noch eine Verherrlichung des Bösen. Vielmehr werde der Teufel in der zugrunde liegenden Sage als Betrogener und letztlich als lächerliche Figur dargestellt.

Die eigentliche Botschaft der Esslinger Sage bleibe dabei dieselbe: Nicht der Teufel triumphiert, sondern diejenige, die ihm mit Klugheit und Witz begegnet.

Zwischen Kritik und religiösen Ängsten

Der Weltanschauungsbeauftragte der Landeskirche, Andreas Oelze, führt die heftigen Reaktionen auf unterschiedliche Ursachen zurück. Neben Fragen nach den Kosten, dem Vergabeverfahren oder der künstlerischen Gestaltung spielten auch religiöse Motive eine Rolle. Manche Kritiker sähen in der Statue ein Symbol einer vermeintlichen Entchristlichung der Gesellschaft. Andere befürchteten, dass bereits die Darstellung des Teufels dessen Einfluss stärken könne.

Oelze verweist dagegen auf die lange Tradition von Teufelsdarstellungen im Christentum. Zudem stehe im Zentrum des christlichen Glaubens die Überzeugung, dass die Macht des Bösen durch Jesus Christus überwunden sei. Daher bestehe kein Grund, die Figur spirituell zu erhöhen oder gar Angst vor ihr zu haben.

Theologische Einordnung des Bösen

Der landeskirchliche Kunstbeauftragte Johannes Koch sieht in der Figur vor allem eine Sagengestalt. Religiöse Ängste entstünden dort, wo die volkstümliche Erzählfigur mit dem biblischen Satan gleichgesetzt werde. Manche Menschen würden der Statue dadurch eine geheimnisvolle Macht zuschreiben, die sie nach Ansicht Kochs jedoch nicht besitzt.

Gleichzeitig erinnert er an den Reformator Martin Luther, der zwischen volkstümlichen Teufelsbildern und dem theologischen Verständnis des Bösen unterschieden habe. Die Esslinger Skulptur versteht Koch daher nicht als religiöse Aussage, sondern als künstlerische Darstellung einer lokalen Sage. Sie erzähle vor allem vom Triumph einer schlagfertigen Marktfrau über den Teufel und spiele dabei mit dessen geheimnisvoller Aura.

In der Zwieblinger-Sage erkennt eine Esslinger Marktfrau den Teufel an seinem Pferdefuß und reicht ihm statt eines Apfels eine Zwiebel. Die Überlieferung gilt als Ursprung des bis heute gebräuchlichen Spitznamens „Zwieblinger“ für die Bürger von Esslingen am Neckar.

 

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