Böhmermann-Lob: Ostdeutsche Kirche brilliert im TV

Pfarrer Justus Geilhufe im Interview im Garten
Foto: Rüdiger Jope / SCM Bundes-Verlag

Gleich zweimal thematisierte das ZDF am Wochenende die Kirche im Osten – und bewertete ihr Engagement positiv. Während Pfarrer Justus Geilhufe interviewt wurde, widmete Jan Böhmermann der Kirche seine Sendung „ZDF Magazin Royale“.

Am Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober, schaut die Bundesrepublik auf die Geschichte zurück und blickt nach vorne. Für das ZDF ein Grund, um mit dem sächsischen Pfarrer Justus-Geilhufe zu sprechen, der in Großschirma beheimatet ist. Neben einem Bericht im Heute-Journal, ist auch ein Online-Interview erschienen.

Geilhufe bezeichnet die Deutsche Einheit als „absolute Erfolgsgeschichte“. Geilhufe, auch bekannt als „Ostfluencer“ auf sozialen Medien, präsentiert dort ein positives Bild Ostdeutschlands.

Geilhufe betont, dass es allen Menschen in Ostdeutschland heute besser gehe als vor 36 Jahren. Er sieht ein ungenutztes Potenzial in der Region und blickt optimistisch in die Zukunft. Er fordert dazu auf, die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zu würdigen. „Schaut gerne in Richtung Osten und seht, was wir hier auch ein Stück weit geschenkt bekommen und uns erarbeitet haben“, sagte er. Dies gelte insbesondere im Vergleich zu anderen osteuropäischen Staaten.

Unkonventionelle Methoden

Als „Ostfluencer“ mit über 30.000 Followern auf Instagram setzt Geilhufe auf unkonventionelle Methoden, um Menschen zu erreichen. Dazu gehören Social-Media-Aktivitäten, Motorradgottesdienste und intensive Jugendarbeit. Im mehrheitlich atheistischen Sachsen erfährt er nach eigenen Angaben eine große Dankbarkeit. Er beobachtet einen „riesengroßen Durst nach der Tiefe des Lebens“.

Geilhufe positioniert sich kritisch gegenüber den Positionen der AfD. Er stellt sich deren Argumenten und Werten entgegen, bleibt jedoch im Gespräch mit den Menschen. „Ich bleibe aber bei den Leuten, ich bleibe in diesem Dorf, bei den Menschen, bei ihren Argumenten“, erklärte der Pfarrer.

„Ostdolce Vita“

Die AfD spiele mit einer Ostalgie und der Sehnsucht nach einer vermeintlichen Klarheit, so Geilhufe. Dem setzt er sein Konzept des „ostdolce vita“ entgegen, das er als „Lebensgefühl“ beschreibt, das positiv in die Zukunft blickt. Er möchte andere ermutigen, in der Region zu bleiben oder sich dort niederzulassen, um etwas Neues aufzubauen.

Auf die Frage nach Sorgen bezüglich der Schwäche der Kirche oder der Stärke der AfD antwortet Geilhufe klar: „Sorgen muss immer die Schwäche der Kirche machen.“ Er betrachtet die Stärke anderer Kräfte nicht als beängstigend, sondern sieht die Aufgabe der Kirche darin, zu ihren „Kraftquellen zurückzukehren“. Selbst bei hohen Wahlergebnissen für die AfD macht er sich keine großen Sorgen, da er als Christ in „Jahrtausenden“ denke und die Kirche bereits andere Herausforderungen überstanden habe. „Also, ich habe ja immer die Ewigkeit im Blick, und ich glaube, da haben wir ganz andere Sachen schon durchlebt als das“, so Geilhufe.

Böhmermann lobt kirchliches Engagement 

Einen Tag zuvor, am Freitag, widmete der Moderator und Satiriker Jan Böhmermann eine ganze Sendung seines Formats „ZDF Magazin Royale“ der Rolle der Kirche in Ostdeutschland. Besonders der Widerstand gegen Rechtsextremismus rückte in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Böhmermann nannte die Kirche im Osten eine „antifaschistische Gruppierung“, die sich gegen Rechtsextremismus stelle. Die Kirche sei in der Region ein „Bollwerk gegen die Autokratie“, insbesondere nach 1945.

Die katholische wie auch die evangelische Kirche warnen öffentlich vor der AfD. Deutsche Bischöfe sprechen sich gegen die Partei aus, und es gibt Beschlüsse, dass AfD-Mitglieder kein Kirchenamt bekleiden sollen. Die Kirche packe auch „richtig an“, wie Böhmermann betont, mit Aktionen wie der Seenotrettung im Mittelmeer und der Unterstützung afghanischer Ortskräfte. Im vergangenen Jahr befanden sich laut Bundesregierung 2254 Menschen im Kirchenasyl.

Nächstenliebe triggert Rechtsextreme

Ein Jugendpfarrer der Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“ berichtet von direkten Angriffen durch rechte Gewalt. Neonazis hätten ihm die Haustür eingetreten. Er sei als Pfarrer besser geschützt, da er eine „ganze Kirche im Hintergrund“ habe. Die Kirche setze sich für Menschlichkeit und christliche Nächstenliebe ein, so Böhmermann, was Rechtsextreme triggere.

Das „ZDF Magazin Royale“ sieht die Kirche als „letzte demokratische Bastion“ des Widerstands im ländlichen Ostdeutschland. Dies liege daran, dass die Kirche über Mittel und Räume verfüge, die ihr nicht so leicht entzogen werden könnten. Besonders relevant ist dies, da die Bundesregierung Programme für zivilgesellschaftliches Engagement wie „Demokratie leben“ kürze. Zudem müssten Kommunen vor Ort Projekte genehmigen, in denen jedoch zunehmend rechtsextreme AfD-Vertreter säßen.

Die Kirche im Osten habe Erfahrung im Kampf gegen „autoritäre und demokratiefeindliche Kräfte“, so Böhmermann. Sie kenne sich mit der Organisation von zivilgesellschaftlichem Widerstand aus und sei daher ein wichtiger Akteur im aktuellen politischen Klima.

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