Falls du für deine Arbeit bezahlt wirst, dann ist Jugendarbeit wahrscheinlich beides: Hobby und Beruf. Es ist nicht nur Hobby, denn man entlöhnt dich ja dafür. Es ist aber auch nicht nur Arbeit, denn es ist eine Herzenssache für dich, die du auch schon vorher ausgeübt hast. Als Jugendleiter bist du genauso – wie in anderen sozialen Berufen – sehr Burnout-gefährdet. Darum ist es sehr wichtig, dass du lernst, dich gesund abzugrenzen. Und zwar zeitlich, emotional und in deiner Rolle.
Jugendarbeit ist unersättlich. Du könntest immer mehr tun. Mehr Zeit mit den Jugendlichen und Leitern verbringen. Abends noch länger im Büro bleiben. Die Predigt nochmals verbessern. Doch du wirst merken: Du hast nur begrenzte zeitliche Kapazität. Und da sind auch noch Partner, Familie, Freundschaften und Hobbys, die ebenfalls um deine Zeit buhlen.
Zeitliche Abgrenzung
Zeitliche Grenzen zu setzen, heißt, dass du an freien Tagen und in den Ferien wirklich frei hast. Du musst an deinen freien Tagen nicht auch noch mit Jugendlichen abhängen. Werde unerreichbar und schalte dein Handy auf Flugmodus oder stumm. Du könntest dir auch eine zweite SIM-Karte besorgen. Sorge auf jeden Fall dafür, dass du nicht bei jeder neuen Nachricht unterbrochen wirst. Antworte nicht mehr auf Fragen, die dich per WhatsApp erreichen. Wenn etwas dringend ist, kann man ja immer noch telefonieren. Nimm deinen Arbeitslaptop nicht mit in die Ferien und lass die Arbeit im Büro!
Emotionale Abgrenzung
Was oft noch die größere Herausforderung ist, ist, sich emotional gesund abzugrenzen. Eventuell sitzt du zwar daheim auf der Couch, aber in deinem Kopf kreisen die Gedanken immer noch um die Arbeit. Du kannst nachts nicht schlafen, weil du mit der Familiensituation eines Jugendlichen mitleidest.
Sehr hilfreich ist ein Ritual, um von der Jugendarbeit abzuschalten. Finde einen Weg, wie du «abschalten» kannst und Dinge bei der Arbeit lassen kannst! Wenn ich etwas emotional Aufwühlendes erlebt habe, dann spaziere ich danach nach Hause. So habe ich im Gebet Zeit, das Erlebte zu verarbeiten und hinunterzufahren. Denn wenn ich nach Hause komme, möchte ich emotional bereit sein für meine Frau/Familie/WG. Ich möchte noch genügend Reserven haben, um aktiv zuhören zu können und konfliktfähig zu sein.
Die eigene Rolle verstehen
Neben der zeitlichen und emotionalen Abgrenzung gibt es noch etwas Drittes, das sehr hilfreich ist, um gesunde Grenzen zu setzen: die eigene Rolle und diejenige von Gott zu verstehen. Mit anderen Worten: zu verstehen, wofür Gott verantwortlich ist und wofür ich (nicht) verantwortlich bin.
Denn ich bin nur für meinen Teil verantwortlich, also für meine Rolle. Nicht dafür, was andere damit machen. Wenn ich nach einem Jugendgottesdienst auf eine gute Predigt von mir zurückblicke, aber eine Woche später höre, wie ein paar Jugendliche danach genau das Gegenteil davon umgesetzt haben, dann bin ich nicht dafür verantwortlich. Es sind ihre Entscheidungen. Und es ist ihr Leben. Wir überschätzen oft unseren Einfluss, und meinen, für mehr verantwortlich zu sein, als wir es wirklich sind. Es ist zwar ein gesundes Zeichen, verantwortungsbewusst zu sein, aber es wird ungesund und gefährlich, wenn man die Grenzen seiner Rolle nicht erkennt.
Unsere Rolle ist zudem etwas, das sich mit der Zeit ändert. Viele von uns wurden selbst im Jugendalter Jugendleiter. Wir waren vielleicht etwas älter als die Jugendlichen, aber immer noch in derselben Altersrange. Wir waren zu jeder Geburtstagsparty eingeladen und das Jugendteam bestand aus unseren Freunden. Mit den Jahren verändert sich das. Du hörst plötzlich von einer Party, zu der du nicht eingeladen wurdest. Du kriegst nicht jeden Insider mehr mit. Die Jugendlichen finden es besser, wenn du in gewissen Momenten nicht anwesend bist.
Wenn du für ein paar Jahre Jugendleiter bleibst, wirst du feststellen: Deine Rolle ändert sich. Und das ist auch gut so! Du solltest immer weniger der Best Friend und immer mehr der Coach oder Papi werden.
Wenn sich deine Rolle nicht ändert, dann wird es cringe – sowohl für dich als auch für die Jugendlichen. Und es werden auch Fragen aufkommen, ob du gesunde körperliche Grenzen einhalten kannst. Es ist ein gesundes Zeichen, wenn du als 40-Jähriger nicht mehr versuchst, der coole Teenie zu sein.
Als Coach leiten
Als Coach kannst du mit mehr Distanz leiten. Denn dein Fokus ist nicht mehr, bei allem involviert zu sein, sondern die jungen Leiter zu fördern und zu coachen. Du bringst vielleicht weniger Aura mit, dafür aber mehr Erfahrung und Leitungskompetenz. Wenn es dir gelingt, diese gewinnbringend einzusetzen, dann profitieren alle.
Nebst all dem, was wir selbst tun können oder nicht, liegt unsere letzte Quelle der Ruhe in Gottes Souveränität. Gott hat alles im Griff. Seine Macht ist grenzenlos, sein Plan ist perfekt, und er ist derjenige, der das Universum in seiner Hand hält. Psalm 3,6 zeigt uns, was das bedeutet: «Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich». Zu wissen, dass er mich hält und meine Welt in seiner Hand ist – auch wenn ich versage – gibt uns die notwendige Ruhe, um zu liegen UND zu schlafen.
Reflexionsfragen:
• Wie fest bist du abends emotional und geistig anwesend beim Abendessen, nach einem langen Arbeitstag?
• Was tust du, um dich zeitlich von deiner Aufgabe als Jugendleiter abzugrenzen?
• Wie würdest du deine Rolle gegenüber den Jugendlichen beschreiben?
Dies ist ein Auszug aus dem Buch «Kirchliche Jugendarbeit» von Joel Meier (Verlag BoD - Books on Demand, ISBN 9783695124992) In den kommenden Wochen bietet Livenet weitere Einblicke in den Inhalt des Buches.









































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