«Uns betrübt, dass die stille Mehrheit der Schweiz die Einschränkungen der Lebensqualität von Jüdinnen und Juden einfach so hinnimmt. Sie haben Empathie verdient, erhalten aber das Gegenteil», erklären der Katholik Markus Neurohr, der Pfarrer Christoph Monsch und der Vertreter von christlichen Gemeinschaften Martin Bühlmann von «Shalom Switzerland». Nach dem Gräuel der Hamas gegen Israel am 7. Oktober 2023 hat der Antisemitismus zugenommen. Der gesellschaftliche und politische Diskurs hat sich in eine ungute Richtung entwickelt. Es geht immer mehr die Fähigkeit verloren, mit Unsicherheiten und Widersprüchen umzugehen – die so genannte Ambiguitätstoleranz.
In den sozialen Medien grassiert Antisemitismus scheinbar ungehemmt. Wenn immer sich der gesellschaftliche Diskurs verhärtet, nimmt Antisemitismus zu. Die aktuell steigenden Zahlen gemeldeter antisemitischer Vorfälle belegen dieses Phänomen: Im letzten Jahr wurden gemäß Antisemitismusbericht 177 antisemitische Vorfälle gemeldet, dreimal mehr als noch 2022. Der Hass auf Israel verbindet ganz unterschiedliche Milieus, die bislang wenig oder nichts miteinander zu tun hatten. Das verstärkt die Dynamik.
Jüdische Gemeinschaft verunsichert
Die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz ist verunsichert. Ihre Lebensqualität hat sich deutlich verschlechtert. Viele tragen keine jüdischen Symbole wie Kippa oder Anstecker mehr offen. Es gibt Leute, die sich nicht mehr richtig wagen, auf die Straße zu gehen. Eltern haben Angst um ihre Kinder auf dem Schulweg. Jüdische Personen werden beleidigt, angegriffen oder es gibt Sachbeschädigungen. Es gibt Ausgrenzungen wie die Slogans «Keine Zionisten in unseren Quartieren» oder «Kein Quartier für die Zionisten», die bei propalästinensischen Demonstrationen zu hören waren. An der Palästina-Demo in Bern am 17. Oktober 2025 wurde öffentlich zum Mord an Juden aufgerufen mit dem Demo-Banner «Death to IDF» und der Aufschrift «Kill your local Zionist» auf dem Boden des Bahnhofsplatzes. Hinzu kommt der berühmte Slogan «Vom Fluss bis zum Meer», der die Existenz Israels ausdrücklich leugnet.
Impulstag setzt sichtbares Zeichen
Der Impulstag findet von 13.30 bis 18.30 Uhr an der Nägeligasse 9 in Bern statt. Organisiert wird der Anlass von Shalom Switzerland – einer Plattform, die von jüdischen und christlichen Menschen in der Schweiz getragen wird. Ein zentraler Bestandteil ist die öffentliche Verlesung einer gemeinsamen Erklärung gegen Antisemitismus und Judenhass. Wer das Anliegen unterstützen möchte, kann die Erklärung vertraulich auf shalom-switzerland.ch unterzeichnen.
Jüdische und christliche Stimmen
Auf dem Programm stehen kurze Impulse und Podiumsdiskussionen, in denen jüdische und christliche Stimmen zu Wort kommen. Thematisiert werden die Erfahrungen mit Antisemitismus in der Schweiz sowie aktuelle Erscheinungsformen und historische Hintergründe des Judenhasses. Weitere Themen sind die Geschichte des Antisemitismus im Kontext des Christentums und die sogenannte Ersatztheologie – die Vorstellung, dass die Kirche an die Stelle Israels getreten sei. Ein Kurzfilm mit dem Zeitzeugen Walter Strauss erinnert an die Novemberpogrome von 1938 und seine Flucht in die Schweiz. Musikalisch begleitet wird der Anlass von den «Freunden der jüdischen Musik» aus Genf.
Weitere Informationen unter shalom-switzerland.ch







































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