Eine Muslimin findet zu Jesus

Muslimin
getty/E+/NicolasMcComber (Symbolbild)

Träume von Jesus und Johannes dem Täufer wecken Bilquis Sheiks Fragen. Bei einem Missionarspaar erfährt sie mehr über den christlichen Glauben und bittet um Gebet.

Begum Bilquis Sheik wird am 12. Dezember 1912 nahe der heutigen pakistanischen Hauptstadt Islamabad geboren. Ihre Familie ist wohlhabend und führt seit Generationen ein Luxusleben. Bilquis hat als Kind viel Liebe von ihren Eltern erfahren. Als junge Frau heiratet sie einen Mann, der Innenminister von Pakistan wird. Doch ihr Ehemann lässt sich von ihr scheiden, und Bilquis zieht mit 46 Jahren tief verletzt und einsam zurück in ihr Heimatdorf am Fuß des Himalaja, wo sie mit zahlreichen Angestellten im großen Haus ihrer verstorbenen Eltern lebt. Zwei ihrer Kinder leben weiter weg; eine Tochter wohnt mit ihrem kleinen Sohn Mahmud in der nächsten Stadt. Da die Tochter kaum Kapazitäten hat, sich gut um das Kind zu kümmern, nimmt Bilquis ihren kleinen Enkel zu sich und kann ihn später sogar adoptieren. Er ist für sie eine Freude und ein Trost in den einsamen Stunden ihres ansonsten eintönigen Alltags.

Ein Mullah soll helfen

Eines Tages verspürt Bilquis einen kalten Hauch in ihrem Garten, der ihr übernatürlich vorkommt, wie eine böse Macht. Kurz darauf erkrankt ihr Enkel. Aufgewühlt durch diese Ereignisse macht sie sich auf die Suche nach innerem Frieden und Heilung für ihren Enkel, dessen Zustand dem Kinderarzt unerklärlich ist. Die Hausangestellten rufen einen muslimischen Geistlichen herbei, einen Mullah, der Verse aus dem Koran vorliest und auch Bilquis dazu auffordert. Doch deren Blick fällt auf eine Textpassage, in der es darum geht, gegen Ungläubige vorzugehen. Unwillkürlich muss Bilquis an ein armes Mädchen denken, das erst kürzlich in ihrem Dorf umgebracht wurde, weil sie sich hat taufen lassen.

Bilquis forscht im Koran, ob sie etwas gegen die Leere finden kann, die sie in ihrem Inneren verspürt. Dabei kennt sie den Koran gut. Mit vier Jahren, vier Monaten und vier Tagen hatte sie ihr Studium der Heiligen Schriften des Islam begonnen – wie alle muslimischen Kinder in ihrer Umgebung. Doch den ersehnten Trost findet sie nicht. Was sie stattdessen neugierig macht, sind die vielen Hinweise im Koran auf die Schriften des jüdischen und des christlichen Glaubens, die älter sind als der Koran. Deshalb besorgt sie sich eine Bibel. Schon beim ersten Lesen entdeckt sie erstaunt, dass der biblische Gott Gnade und Vergebung anbietet. In der darauffolgenden Nacht träumt sie von Jesus und von einem Mann, der sich Johannes der Täufer nennt, obwohl sie bisher weder von Johannes gehört noch von ihm in der Bibel gelesen hat.

Auf der Suche nach Traumdeutern

Um ihren Träumen auf den Grund zu gehen und mehr über den christlichen Glauben zu erfahren, nimmt Bilquis all ihren Mut zusammen und besucht ein amerikanisches Missionarspaar, das in der Gegend lebt. Im Haus des Ehepaars Mitchell wird sie freundlich willkommen geheißen. Sie kommt gleich zur Sache: „Wissen Sie etwas von Gott?“ Die ausländische Frau antwortet: „Ich fürchte, ich weiß nicht so viel über ihn, aber ich kenne ihn persönlich.“ Das macht Bilquis neugierig, und sie fasst Vertrauen. Sie will wissen, wer Johannes der Täufer aus ihren Träumen ist. Die Missionarin erklärt: „Er ist ein Prophet, der Jesus angekündigt hat.“ Dann erklärt sie, was Jesus für die ganze Welt und für sie persönlich getan hat: Er hat die Mauer zertrümmert, die den sündigen Menschen von Gott trennte. Bilquis bittet um Gebet, und die erstaunte Frau kommt ihrer Bitte nach: „Heiliger Geist, nur du kannst Bilquis die Augen öffnen und ihr Jesus zeigen.“

Mahmud, der von seiner Krankheit ohne ärztliche Hilfe wieder gesund geworden ist, hat eines Tages schlimme Ohrenschmerzen, sodass Bilquis mit ihm ins Krankenhaus fährt. Die Ärztin, die den Jungen untersucht, ist eine Nonne. In einem längeren Gespräch rät sie ihr: „Reden Sie mit dem Gott, den Sie suchen, so, als wäre er Ihr Vater.“

Der Rat der Nonne

Zu Hause beschließt Bilquis, den Rat der Nonne auszuprobieren. Sie kniet sich vor ihr Bett und flüstert: „Vater, lieber Vater, Gottvater.“ Plötzlich spürt sie eine Hand auf ihrem Kopf. Sie fühlt eine liebevolle Zuneigung wie eine wohlig warme Decke um sich. Das Gefühl kommt ihr bekannt vor. Sie hat es bereits beim Lesen der Bibel gespürt. Für Bilquis gibt es keinen Zweifel: „Ich bin Gott, meinem himmlischen Vater, persönlich begegnet.“

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, eine Entscheidung zu treffen. Doch was werden ihre Verwandten sagen? Mit Schrecken wird ihr klar, dass sich ihre Familie von ihr abwenden wird, wenn sie sich zu Jesus Christus bekennt. Sobald sie sich diesem furchteinflößenden Gedanken hingibt, spürt sie wieder eine Kälte und Leere in sich. Das ändert sich, als sie im biblischen Buch der Offenbarung den Vers liest: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten“ (Offenbarung 3,20). Sofort lädt sie Gott ein: „Komm in mein Leben! Jede einzelne Zelle sehnt sich nach dir!“ Nach diesem Gebet fühlt Bilquis sich wieder sicher.

Um drei Uhr morgens wacht sie auf und sieht ein helles Licht. Weinend ruft sie: „Mein Gott und Vater, taufe mich mit dem Heiligen Geist.“ Sie hat das Gefühl, als ob starke Wellen sie durchfluten und reinigen. Am Tag darauf ist sie voller Freude und läuft wie ein erneuerter Mensch durch ihr Haus. Den Angestellten fällt ihre neue Geduld und Freundlichkeit auf. Noch am selben Tag erzählt Bilquis den Mitchells, sie habe die Taufe im Heiligen Geist empfangen. Das Ehepaar fragt, woher sie wüsste, was das sei. Bilquis erzählt, dass sie in der Apostelgeschichte gelesen hat, wie Nachfolger von Jesus spürbar vom Heiligen Geist erfüllt wurden.

Kraftquelle Bibel

Bilquis schöpft Kraft beim Bibellesen und aus dem Zusammensein mit anderen Christen, die sie bei den Mitchells trifft. Wenn diese Gemeinschaft fehlt oder sie keine Zeit zum Bibellesen findet, hat sie das Gefühl, aus Gottes wunderbarem Licht ins Dunkle zu fallen. Sie sieht einen Zusammenhang zu einem Satz aus der Bibel in Epheser 4,30: „Tut nichts, das den Heiligen Geist traurig macht.“ Sie wundert sich und überlegt: „Ich dachte immer, es sei ein großes Opfer, meinen Willen aufzugeben. Doch jetzt erkenne ich, dass es ein Gewinn ist, Gott zu gehorchen. Nur auf diese Weise bleibe ich in seiner Nähe. Wie könnte es ein Verlust sein, Zeit in Gottes Nähe zu verbringen?“

Bald spürt Bilquis ganz deutlich, dass es noch eine Sache gibt, die sie von Gott wegzieht: der Groll gegen ihren Ex-Mann. Es scheint ihr unmöglich, ihm zu vergeben. Und wieder wird Gottes Leuchtkraft in ihrem Alltag schwächer. Unter Tränen will sie erfüllen, was ihr himmlischer Vater von ihr verlangt. Und tatsächlich gelingt es Bilquis allmählich, ihre Wut, die Bitterkeit und die schmerzhaften Verletzungen immer mehr durch Liebe zu ersetzen, bis sie ihrem Ex-Mann sogar Gutes wünschen kann. Eine schwere Last fällt von ihr ab. Sie wird von einem tiefen inneren Frieden, von Freude und Leichtigkeit erfüllt.

Am 24. Januar 1967 lässt sich Bilquis taufen. Für viele Muslime ist die Taufe ein Todesurteil. Das weiß sie. Längst schon haben Freunde und Verwandte sie gewarnt. Um Druck auszuüben, reden die meisten nicht mehr mit ihr. Es herrscht eine schmerzhafte Funkstille. Ihre christlichen Freunde machen sich Sorgen um ihre Sicherheit und raten zu Gittern an ihrem Schlafzimmerfenster. Doch Bilquis ist überzeugt: „Es ist unmöglich, sich Sorgen zu machen und gleichzeitig Gott zu vertrauen.“

Irgendwann hat Bilquis die Idee, interessierte Dorfbewohner zu einem Sonntagstreff mit biblischem Austausch bei sich zu Hause einzuladen. Tatsächlich kommen viele – auch Nichtchristen. Stundenlang trifft sich Bilquis vorher mit Freunden zum Gebet – und erlebt, wie Menschen Jesus in ihr Leben hineinlassen.

In Lebensgefahr

Die christlichen Treffen bleiben im Dorf nicht unbemerkt, und Bilquis erfährt, dass in der Moschee darüber beraten wird, wie man sie aus dem Weg schaffen kann. Viele Vorzeichen, ein Brandanschlag auf ihr Haus, Warnungen von guten Freunden und Träume zeigen der Christin, dass sie Pakistan verlassen muss. Sie ist inzwischen 59 Jahre alt und will ihre Heimat nicht verlassen, aber sie sagt zu Gott: „Das Wichtigste ist, in deiner Nähe zu bleiben. Hilf mir, keine Entscheidung zu treffen, die mich von deinem Licht wegbringt.“

1973 folgt Bilquis der Einladung einer Amerikanerin in die USA, um dort in Kirchengemeinden von ihrem Leben in Pakistan zu berichten. Sie weiß: „Wenn ich jetzt gehe, wird es wohl für immer sein.“ Sie verabschiedet sich von ihren Kindern und nimmt ihren Enkel Mahmud mit auf die Reise.

Als Rednerin bringt Bilquis in den USA etwa 15 Jahre lang in Gottesdiensten und Großevangelisationen Tausende Menschen zum Nachdenken. Mit 84 Jahren stirbt sie in ihrer Heimat, etwa zehn Jahre nachdem ihre drei Kinder sie nach einem Herzinfarkt zurück nach Pakistan geholt haben. Eine im Jahr 1978 erschienene Autobiografie von Bilquis Sheik wurde in vielen Ländern der Welt zum Bestseller. Die Besonderheit ihrer Lebensgeschichte liegt in ihrem Feingefühl für den Heiligen Geist, von dem sie sich leiten ließ, und darin, zu einem Vorbild für viele Christen wurde.

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