Raus aus der Porno-Falle!

Mann ist angekettet am Bildschirm
iStock / Getty Images Plus/ kevron2001

Was tun, wenn man mit dem Pornokonsum nicht aufhören kann? Victoria Hertzler und Gabriel Kießling sprechen im Interview über alltagstaugliche Schritte, persönliche Bedürfnisse und Hilfsangebote.

Warum üben Pornos so eine hohe Anziehungskraft aus?

Gabriel: Da jeder Mensch von Geburt an ein sexuelles Wesen ist, wird sich auch jeder irgendwann auf die Suche nach Informationen dazu machen. Wenn es dann keine altersgerechten und angemessenen Ansprechpersonen gibt, dann hat Pornografie quasi ein Informationsmonopol.

Victoria: Pornos können manchmal auch eine scheinbar schnelle Lösung für ungestillte Bedürfnisse sein. Für einen Moment scheinen alle negativen Gefühle, Anspannung oder Stress weg zu sein. Das bewirkt einen hohen Wiederholungsdrang.

Was machen Pornos mit unserem Körper?

Victoria: Zunächst einmal das Offensichtliche: Pornos bewirken bei den meisten Menschen eine sexuelle Erregung. Was dabei aber in unserem Gehirn passiert, geht viel weiter: Es wird sehr viel Dopamin ausgeschüttet – das ist unter anderem verantwortlich für unser Motivations- und Belohnungssystem. Dieser »Kick«, den man beim Anschauen von Pornos bekommt, kann dazu führen, dass man dieses Gefühl immer wieder haben möchte und die Dinge, die bislang im Alltag motivierend waren, mehr und mehr ihren Reiz verlieren.

Wie kann ich mich davor schützen, solche Videos zu schauen?

Gabriel: Du kannst alle Firewalls, Filter und Rechenschafts-Programme dieser Welt installieren – einen 100%igen äußeren Schutz gibt es nicht. Die entscheidende Frage ist weniger, ob ich Pornos schaue, sondern wozu. Wer sich vor den potenziellen negativen Folgen bewahren will, baut an seinem inneren Schutz. Dazu gehört: Nimm deine Gefühle wahr und übe, deine Bedürfnisse zu benennen.
Investiere in tiefe Beziehungen mit wirklich ehrlichen Gesprächen.
Suche Orte auf, an denen Jesus im Mittelpunkt steht und immer wieder zu deinem Herzen sprechen kann.

Victoria: Es kann auch helfen, sich zu fragen: Wer sind die Menschen, die Darsteller/innen, die diese Filme machen? Häufig ist diese Form von Sexarbeit mit Ausbeutung und Gewalt verbunden. Welches Menschenbild wird hier repräsentiert? Wie wird mit Frauen umgegangen? Ist es das, wovon ich meine Werte prägen lassen möchte?

Was kann ich tun, wenn ich nicht davon loskomme?

Victoria: Hierzu gibt es kurzfristige und langfristige Strategien. Kurzfristig bedeutet: Du machst dir den Zugang zu Pornos selbst schwerer. Das kannst du durch Blocker-Softwares oder eigene Regeln tun, wie z. B. das Handy oder den Laptop am Abend in einen anderen Raum legen oder nicht allein an den Geräten sein. Längerfristig ist es meist jedoch wichtig zu schauen: Was steckt hinter meinem Bedürfnis, Pornos zu schauen? Oft steckt viel mehr dahinter als das sexuelle Verlangen. Fühle ich mich einsam, habe oft Langeweile oder suche Bestätigung durch die Videos? Für viele ist es hilfreich, damit nicht allein zu bleiben und sich Hilfe zu holen. Wir vom Weißen Kreuz bieten über unseren Insta-Kanal @holyfuck_de Seelsorge dazu an. Und zusammen mit dem ERF gibt es einen kostenlosen Online-Workshop: raus-aus-der-pornofalle.de

Gabriel: Als Christ solltest du die Kraft von Gebet nicht unterschätzen. Nimm Jesus in deine Fragen, Zweifel und Kämpfe hinein. Das bedeutet aber auch, sensibel dafür zu sein, ob er dir nicht sagt: Bleib nicht allein, vertrau dich jemandem an. Gebet kann also auch dazu führen, dass du den Mut gewinnst, deine Scham zu überwinden und Licht in vielleicht jahrelange Verschwiegenheit hineinzulassen.

Wie kann ich als Jugendlicher und Christ gut mit meiner Sexualität umgehen?

Gabriel: Freue dich darüber, dass Gott dir einen Körper geschenkt hat, der Lust empfindet, erregt wird und sich verschenken kann. Gott ist der Erfinder von Sexualität und gibt dir das Siegel: »sehr gut«. Ich finde wichtig, dass wir unterscheiden zwischen Christ-Werden und Als-Christ-Leben. Die Bibel ist sehr klar darin, dass wir uns die Erlösung nicht verdienen können – auch nicht dadurch, wie wir unsere Sexualität leben. Als Jünger Jesu dürfen wir uns aber auf die Suche machen, was Gott sich für uns wünscht und uns von seinem Geist Schritt für Schritt führen lassen. Dafür trägt jeder Christ selbst die Verantwortung.

Wie gehe ich am besten mit sexuellen Fantasien und Selbstbefriedigung um?

Victoria: Wie Gabriel schon gesagt hat, wir sind sexuelle Wesen. Besonders ab der Pubertät spüren die allermeisten: Ich empfinde sexuelle Lust! Die Frage ist: Wie gehe ich damit um? Ist Unterdrücken oder Ablenken die beste Lösung und die einzige, die Gott gefällt? So einseitig sehe ich es nicht. Ich glaube, dass der Umgang mit der sexuellen Energie, die wir haben, auf unterschiedliche Weise gelingen kann. Das kann durch Kreativität, Sport, oder – ja – auch durch Selbstbefriedigung sein. So können wir unseren Körper und unsere Lust, die wir geschenkt bekommen haben, erleben.

Gabriel: Die Bibel schweigt beim Thema Selbstbefriedigung sehr vornehm. Deshalb sollten wir entspannt bleiben und uns nicht verdammen. Gleichzeitig darf niemand unter Druck geraten oder denken, es wäre die einzige Option. Aus meiner Sicht finden wir in der Bibel auch Grenzen, zum Beispiel wenn wir andere Menschen vor dem inneren Auge ausziehen oder uns eine Sexualität angewöhnen, die späterer Paarsexualität im Weg steht.

Hinweis: Hier finden Sie Möglichkeiten, um mit Beraterinnen und Beratern ins Gespräch zu kommen: www.raus-aus-der-pornofalle.de

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