Meine Frau und ich hatten 1977 zugesagt, die organisatorische Leitung einer zweiwöchigen Israel-Freizeit der Liebenzeller Mission zu übernehmen. Ich selbst war Verlagsleiter der Liebenzeller Mission. Damals hatten wir zwei Kinder. Oma Erna kam nach Bad Liebenzell und betreute sie, während wir unterwegs waren. Wir freuten uns sehr auf diese Freizeit und hatten große Erwartungen – wie auch die über vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich angemeldet hatten. Dass diese Zeit für uns ein wichtiges zusätzliches Lebensthema bringen würde, hatten wir nicht auf der Liste.
Zum ersten Mal in Israel
Es waren viele Erlebnisse, starke Eindrücke, Staunen über Inneres und Äußeres. So hatten wir Schnee in Jerusalem und lernten, dass man mit Plastikeinkaufstüten Winterstiefel designen kann, die man einfach über die Schuhe zieht und mit einem Gummi auf Höhe der Waden arretiert.
Etwas, worüber ich immer wieder staunen musste: Keiner hielt uns vor, dass unser Volk den Juden wirklich unsägliches Leid gebracht hatte! Es heißt, dass von der Shoa, dem nationalsozialistischen Massenmord an den Juden, keine Familie in Israel ganz verschont blieb. Und gerade mal etwas mehr als dreißig Jahre waren seit dieser ungeheuren Katastrophe vergangen!
Selbstverständlich besuchten wir die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, wie auch bei allen späteren Israel-Aufenthalten. Dieser Besuch schlaucht mich jedes Mal zutiefst. Im Tal der zerstörten Gemeinden (wurde erst nach unserem ersten Besuch 1977 geschaffen) finde ich auf den Gedenkmauern eine ganze Anzahl Ortsnamen, die in meiner Heimat liegen. Und wenn ich durch die Kindergedenkstätte gehe und in dem dort erzeugten Halbdunkel ein Name nach dem anderen vorgelesen wird, dann ist dies der Höhepunkt der inneren Belastung: Wie konnte man so viele Kinder umbringen, so viele hoffnungsvolle Leben einfach zerstören?
Israel als Zeichen
Zu den stärksten Eindrücken gehörte für mich auch zu erkennen, dass wir „an dem Feigenbaum ein Gleichnis lernen“ sollen (Matthäus 24,32+33): „Wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Ebenso auch: Wenn ihr das alles seht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist.“ Am Geschehen in Israel können wir also erkennen, dass die Wiederkunft Jesu näher rückt. Dieser Gedanke steht auch hinter Matthäus 16,3: „Das Wetter könnt ihr anhand der Zeichen am Himmel gut deuten, aber die ganz offensichtlichen Zeichen der Zeit begreift ihr nicht.“ Jesus ist meines Erachtens hier nicht ärgerlich über seine Jünger, sondern eher verzweifelt: Warum kapieren die das nicht, es ist doch so entscheidend wichtig!
Wie tragisch es enden kann, sich nicht auf die Zukunft vorzubereiten, zeigt das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen: Fünf von ihnen durften nicht an der Hochzeitsfeier teilnehmen, weil sie nicht genug Öl dabei hatten. Israel gehört sehr stark und auf vielfältige Weise zu den „Zeichen der Zeit“. Deshalb können wir es uns nicht leisten, solche markanten Hinweise wie die Staatsgründung Israels nach fast 2000 Jahren zu überhören und einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen.
Was Jesus über das Wetter sagt, war und ist mir besonders gut verständlich, weil ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin. Ich beobachtete, wie gut mein Vater das Wetter beurteilen konnte, um zum Beispiel das Heu so lang wie möglich trocknen zu lassen, aber rechtzeitig vor dem Regen in die Scheune zu bringen. Zu wissen, wie wichtig es ist, auch die Zeichen der Zeit im Blick zu behalten, wurde zu einem wesentlichen Teil unserer Motivation, uns mit Israel zu beschäftigen. Von da an konzentrierte ich mich mehr und mehr auf Israel-Freizeiten, oft als organisatorischer oder biblischer Leiter. An einer Freizeit mit dem jüdisch-stämmigen Autor Pfarrer Dr. David Jaffin als Verkündiger nahmen 95 Personen teil. Seine und meine Frau waren auch dabei, als wichtiger Teil der Leitung.
Weitere Folgen
Die Beschäftigung mit Israel betraf auch meinen Hauptauftrag im Verlag. 1994 besuchte ich meine Freunde Karl-Heinz und Ursula Geppert, die damals mit ihren drei Kindern ein Sabbat-Jahr in Israel einlegten. Karl-Heinz hatte diese Tage exzellent vorbereitet und etliche Kontakte aufgebaut. Als Frucht dieser Treffen wurden nach und nach etwa zehn Bücher veröffentlicht. Das erste – Autoren waren Ursula und Karl-Heinz Geppert – war bereits im Herbst 1994 auf dem Büchermarkt und erreichte drei Auflagen.
Mit unserem Netzwerk im Hintergrund gründeten wir die „Süddeutsche Israel-Konferenz“, die 2023 zum 27. Mal veranstaltet worden ist. Sie fand im Liebenzeller Gemeinschafts-Verband ihre Heimat, ebenso wie der „Arbeitskreis Israel“ (aki), dem es unter anderem darum geht, „unter Christen das Bewusstsein für die heilsgeschichtliche Bedeutung Israels zu schaffen“. Die meisten arbeiten ehrenamtlich im aki mit. Vor zehn Jahren konnte der Arbeitskreis aber ein Ehepaar in die hauptamtliche Arbeit nach und für Israel entsenden. Man ist weiterhin dabei, das Netzwerk in Deutschland zu erweitern.
Mit der Familie
Ein ganz besonderes Geschenk von unserem Gott war für mich, dass wir 2019 zusammen mit unserem Sohn und unserer ältesten Enkelin für eine sehr inhaltsreiche Woche nach Israel fliegen konnten – ohne Gruppe. Wir kamen von Eilat bis zum See Genezareth und Haifa und wieder zurück, natürlich mit dem Höhepunkt Jerusalem. Den Golan mussten wir aus Zeitgründen leider auslassen. Dafür durchquerten wir zweimalig die Wüste Negev mit Totem Meer auf unterschiedlichen Routen. Das entschädigte uns.
Aus Altersgründen hat sich mein Aktionskreis auch in diesem Bereich stark verkleinert. Deshalb ist neben dem regelmäßigen Gebet für Israel, der intensiven Beobachtung der Nachrichten aus und über Israel die aktive Mitarbeit für die Konferenz dahingehend geblieben, die Texte zu schreiben, damit in Zeitungen, Magazinen, dem Verbandsblatt und anderen Medien Vor- und Nachberichte der Konferenz erscheinen können.
Arthur Klenk war Leiter des Bildungszentrums und des Verlags der Liebenzeller Mission.







































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